Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Arnold Otto Aepli

AES B0223 | KBSG VNL 38 : B : 18

In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 48

Alfred Escher an Arnold Otto Aepli, Appenzell, Dienstag, 29. September 1840

Schlagwörter: Freundschaften, Wahlen, Zofingerverein (Studentenverbindung)

Hecht in Appenzell. 29. Septbr 40./.

Mein lieber Abt!

Kaum ein Paar Stunden von Zofingen1 in Appenzell angekommen, beeile ich mich, Dir davon Anzeige zu machen und Dir zu versichern, daß ich brenne, Dich zu sehen, wenn ich mich dieser Lateinischen Construction bedienen darf. Nur drei Stunden sind wir von einander entfernt und bereits ist ein Semester verstrichen, seit wir von einander getrennt sind! Ich bin in Zofingen in der Krone und in Olten im Thurme gewesen und der stud. Vogel2 hat auch nicht gefehlt und Du solltest nicht neugierig sein, Kunde zu vernehmen von dem, was sich dort zugetragen? Wir haben auf dem Rückwege in Wohlenschweil übernachtet, allwo wir den «kleinen Doctor»3 trafen, wir haben letzten Sontag eine fürchterliche Abschiedssuite mit dem Glarnerschen Criminalrichter4, da er in patriam5 reiste, durchgemacht, und zwar in dem christlich-germanisch-socialen Stäfa – und Du solltest Dich nicht auf das ärgste gefaßt machen? O Sie, Lieber! kommen Sie sobald als möglich bei mich und zwar wohl am schicklichsten auf einen Abend. Es steht Dir in meinem Zimmer ein Bett zu Deiner Disposition, falls Du eines solchen dannzumal benöthigt sein solltest. Du möchtest vielleicht über letztern Umstand etwas lächeln, aber ich begegne Dir gleich mit der exceptio6, daß es nicht angezogen ist. Nur um Eines möchte ich Dich ersuchen, mir doch jedenfalls zum voraus zu schreiben, wann Du nach Appenzell zu kommen gedenkst, damit wir uns nicht etwa verfehlen. Wünschest Du, daß ich Dich abhohle, so bestimme mir nur Ort und Stunde. Eben kömmt Mariechen7 und sagt, ich solle Dir schreiben, sie wünsche auch, daß Du nach Appenzell kommst, denn Du seiest «ou e so e überspillt liebliche Herr!» – Wenn Du mit Gonzenbach noch in Berührung bist, so zeige ihm doch meine Ankunft in Appenzell aus meinem Auftrage an. Deiner baldigen Antwort entgegensehend grüße ich Dich herzlich.8

Dein treuer

Alfred Escher.

Kommentareinträge

1Vom 23. bis 25. September 1840 fand in Zofingen das Centralfest des Zofingervereins statt. Dabei wurde Escher zum Centralpräsidenten für das neue Vereinsjahr gewählt. Vgl. Prot. allgemeine Versammlung Zof.-Ver., 23.–25. September 1840; Der Zofingerverein: Alfred Escher als Präsident der Sektion Zürich und als Centralpräsident (1837–1842), Centralpräsident.

2Person nicht ermittelt.

3Person nicht ermittelt.

4Gemeint ist Johann Jakob Blumer. – Blumer war im Frühling 1840 von der Glarner Landsgemeinde zum Mitglied des Kriminalgerichts gewählt worden, hatte aber abgelehnt. Vgl. Blumer, Erinnerungen, S. 8(c)–9(a).

5In patriam (lat.): in die Heimat.

6Exceptio (lat.): Ausnahme.

7Person nicht ermittelt.

8Wenige Tage nach diesem Brief kündigte Aepli seinen und Gonzenbachs Besuch in Appenzell für die folgende Woche an. Vgl. Alfred Escher an Arnold Otto Aepli, 4. Oktober 1840.

Kontexte