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AES B0218 | StABS PA 412a A 6-3

In: Jung, Aufbruch, S. 107–108

Alfred Escher an Centralausschuss des Zofingervereins, Zürich, Freitag, 17. Juli 1840

Schlagwörter: Feiern und Anlässe, Zofingerverein (Studentenverbindung)

Briefe

Zofingersection Zürich an den Centralausschuß in Genf.

Zürich. d. 17ten Juli 1840. Letzte Sitzung des Zofingervereines vor den Sommerferien.

Lieber Centralausschuß!

oder besser:

Lieber Chenaud, Amiel & Rieu, die Ihr uns als Bundesräthe nicht lieb seid!

Wir sind zwar gewiß nicht diejenigen, die von Euch außergewöhnliches verlangen, ja, wir haben unsre Anforderungen schon so tief herunter gestimmt, daß wir es als etwas außergewöhnliches bezeichnet hätten, wenn Ihr unsern letzten Brief, der Euch mit seinen vielen engen Seiten auch gar zu viel zutraute, gelesen hättet. Und daß letzteres nicht geschehen sei, daraus, daß Ihr ihn mit keinem Worte beantwortet habt, zu schließen, seid ihr doch gewiß so billig uns zu erlauben. Doch schon sind der Zeilen zu viele! Denn noch soll und muß ich Euch sagen, was wir unter den gewöhnlichen, ja unter den allergewöhnlichsten Anforderungen, die wir an Euch gestellt, verstehen. Wir meinen damit, daß Ihr 1) die Stimmen aller Sectionen über die Zeit des dießjährigen Festes hättet einholen und letztere festsetzen und bekannt machen sollen, bevor einzelne Sectionen, wie zB. Lausanne, sich zur Ferienerholung zerstreuten, um sich vor der gewöhnlichen Festzeit nie mehr zu versammeln (Allg. Statuten Art. 40. f.)2.) für die gehörige Circulation der Festreden, deren uns noch keine, und der Jahresberichte, deren uns erst einer zugekommen ist, hättet sorgen sollen (Allg. Statuten Art. 40.a.) 3.) Daß Ihr uns, falls wir nämlich einen Redner für die nächste Festversammlung zu wählen haben, was wir allen bisherigen Übungen gemäß annehmen zu müssen glauben, davon hättet benachrichtigen sollen (Allg. Stat. Art. 40.c.) 4) daß Ihr uns hättet mittheilen sollen, ob wir eine Candidatenliste für den Centralausschuß des nächsten Zofingerjahres zu entwerfen haben, was wir wieder annehmen zu müssen glauben, worüber wir aber, mit dem desmaligen Personalbestand der Churersection unbekannt, im Zweifel sind und was umso früher zu entscheiden ist, da die Candidatenliste vor dem Jahresfeste durch den Centralausschuß in allen Sectionen circulirt werden muß. (Allg. Stat. Art. 40.e. &) endlich 5.) daß Ihr die Ehrenmitglieder, die an dem letzten Jahresfeste beschlossen, von sich aus sämmtliche Ehrenmitglieder auf die nächste Festversammlung einzuladen, an die beförderliche Ausführung dieses Beschlusses hättet erinnern sollen damit nicht, wie dieß auch schon der Fall war, Einladung und Fest zusammen treffen. Ob Ihr diesen gewöhnlichen Anforderungen, die wir an Euch gestellt nachgekommen, überlasse ich Euch zu beurtheilen. Von den außergewöhnlichen Anforderungen habe ich in meinem letzten Briefe gesprochen und erspare mir die Wieder holung, wenn sie vielleicht auch für Euch keine wäre!

Wenn Ihr vielleicht finden solltet, daß dieser Brief nicht allzu zärtlich klinge, so tröstet Euch mit Eurer Doppelnatur, die in der Aufschrift auseinander gehalten ist, und seid, lieber Chenaud, Amiel & Rieu! herzlich gegrüßt von Euern Mitzofingern in Zürich und Ihrem Präsidenten

Alfred Escher.

Kontexte

  • Alfred Escher
  • Centralausschuss des Zofingervereins