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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0215 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 11. April 1840

Schlagwörter: Freundschaften, Reisen und Ausflüge

Briefe

Glarus, den 11. April 1840.

Mein theurer Escher!

Dein Brief von gestern hat mich heute einen herben Entschluß gekostet. Daß ich nicht geringe Lust hätte unsern lieben Nägeli wieder einmal zu sehen u. auch mit dir nach mehrwöchentlicher Trennung wieder einen fidelen Nachmittag zuzubringen, kannst du dir leicht denken. Indessen stellen sich leider der Ausführung meines Wunsches mancherlei Schwierigkeiten entgegen, die mich hindern auf deinen Vorschlag einzugehen. Als ich dir in Zürich versprach, an einer Rapperschwyler Zusammenkunft Theil zu nehmen, ging ich hauptsächlich von der Erwartung aus, Streif u. Tschudi würden mich dahin begleiten; nun aber wollen beide nicht kommen, der letzt re natürlich, um seiner Gesundheit nicht zu schaden, der erstre aus ökonomischen Gründen u. weil er Nägeli nicht kennt, dich im Sommer zu sehen hofft. Du siehst also, daß dadurch das Vergnügen, welches ich bei diesem Ausfluge hätte, sich bedeutend reduzirt, um so mehr da ich den nämlichen langweiligen Weg nicht mehr als etwa 10 Tage später doch wieder zu machen habe u. wegen der Nähe meines sonstigen Wiedereintreffens in Zürich auch der Reiz, dich während der Ferien ein mal zu sehen, bedeutend geringer ist, als wenn die Zusammenkunft mehr in die Mitte der selben gefallen wäre. Alle diese Gründe würden aber doch nicht die Begierde, unsern Nägeli wieder zu sehen, überwogen haben, wenn ich nicht bemerken müßte, daß meine El tern es sehr ungerne sehen würden, wenn ich nach Rapperschwil ginge. Ich würde zu diesem Ausfluge wenigsten 1½ Tage brauchen; nun ist es ihnen aber natürlich angenehmer, wenn ich in den letzten Tagen, bevor ich wieder scheiden muß, noch den größern Theil der Zeit bei Hause bleibe, um so mehr da ich bis jetzt fast immer ausgezogen bin u. meine l. Mutter sich wieder etwas leidend befindet. – Ich hoffe also, du werdest mir meine abschlägige Antwort verzeihen. Der Tag wäre mir ganz gleichgültig gewesen.

Grüße mir herzlich Nägeli; es würde mich natürlich sehr freuen, wenn ich ihn noch in Zürich sehen könnte. Herzlich grüßt
dich
dein

Blumer.