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Korrespondenz: Alfred Escher – Carl Rudolf Sinz

AES B0206 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#456*

In: Jung, Aufbruch, S. 164–165 (auszugsweise), 242 (auszugsweise)

Carl Rudolf Sinz an Alfred Escher, Berlin, Dienstag, 8. Oktober 1839

Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kunst und Kultur, Reisen und Ausflüge, Universitäre Studien, Universität Zürich, Wahlen, Zürichputsch (1839)

Briefe

Berlin. den 8ten Oktob. 1839.

Mein lieber Alfred! Verschmähe nicht einen herzlichen Kuß, laß mich aber auch zugleich alles ad acta legen, was im Verlauf dieser drei Monde unter uns vorgegangen ist. Nicht will ich damit leichten Sinnes über das Vergangne wegschlüpfen; nein ich sehe jezt erst bei heiterer & unbefangner Stimmung meinen Fehler ein & jene Zeit zeigt mir erst jezt ihr düstres Grau, da ich sie von ferne besehen kann nie mehr aber für einen Augenblik sie zurükwünschen möchte. ich dich unglüklicherweise mit hinein zog, daran ist meine damalige sowohl cholerische als melancholische Stimmung schuld; leztere machte mich empfindlich wie nie & erstere ließ mich alle Vernunft über Bord werfen & blind dreinschlagen gleichviel wen & wie es trifft. Nur der Umstand, die Veranlassung zu dieser Stimmung ausser mir war & ich selbst am meisten dabey zu leiden & zu büßen hatte, nur er giebt mir noch ein Recht, dich ebenfalls um gänzliche Tilgung des Geschehenen zu bitten. Obwohl einem andern gegenüber, es mir leicht gewesen, mich verständiger zu benehmen, so soll es mir doch für die Zukunft eine gute Lehre sein. Also reiche mir deine Wange & laß mich meinen Brief fortsetzen wie sonst. - ich niemals mit so unverholener Freude dem Schluße eines Semesters entgegensah, brauche ich dir nicht erst zu sagen. Eben ist es jezt ein Jahr, ich die Schweiz verließ & noch erinnere ich mich, wie ich in St. Gallen bei mir dachte, wäre doch nur die Reise schon vorüber, säße ich nur schon ruhig in Berlin! Wie ganz anders jezt; kaum gestatteten es mir die schließenden Collegien die Wanderung anzutreten, so war ich auch schon wohlgemuth, ohne weitern Gefährten in der Eisenbahnhalle; – da nahm ich noch von Blumer Abschied, den ich wohl nicht eher wieder zu sehen bekomme, als wenn er einmal an einem schönen Landsgemeindetage im Schulschritt mit gerunzelter Stirne & nach dem Boden gesenkten Augen vor mir nach dem bewußten Ringe vorbeyzieht. Niemals empfand ich weniger diese Einsamkeit als auf der Reise selbst, welche noch überdies in vieler Beziehung nicht nur interessant sondern wirklich von wichtigem Nutzen für mich war. Eine unbändige Reiselust hat sie mir für die Zukunft erwekt & warum, das magst du aus folgenden Skizzen ersehen. – Ich war während der Monate Juli & August von einem fatalen Zahnweh geplagt & dies begleitete mich noch bis Magdeburg. Mein Glüksstern führte mich in einen Beiwagen wo ich in einem Justizrathe v. Nordhausen & seiner Tochter die freundlichste Gesellschaft fand; er war zugleich Botaniker, was zur Unterhaltung viel beytrug. Gleich hier hatte ich schon die Gelegenheit über das Leben & Treiben in Berlin losziehen zu können & den eifrigsten Succurs zu finden. So gieng es mir nun immer mit allen Nichtberlinern, die Berlin kannten; selbst denen die sehr artiger Bekanntschaften sich zu erfreuen hatten. | Dieser Umstand erwekte zwar in mir keine besondre Sehnsucht zur Rükkehr; - hingegen söhnte er mich mit den übrigen Gauen Deutschlands aus & ließ mich die Zeit meiner Reise nur um so mehr & angenehmer empfinden. Mit Mühe & traulichem Händedruk schied ich in Magdeburg von diesen ersten Reisegefährten, deren Adresse ich noch bei mir führe. - ich vor allem den Dom besuchte, versteht sich; – du kennst ihn selbst; nur sage ich dir noch, ich von seinem Thurme aus die schönste Aussicht über die weiten Festungswerke & die vielen schönen Elbarme genoß. – Morgens um 4. Uhr stieß ich auf einem prachtvollen Dampfboote, das schöner eingerichtet sein soll wie die rheinischen v. Magdeburg ab. Es war eine schöne Fahrt, trotz der meist uninteressanten Gegend durch die wir fuhren. Gleich in den ersten Stunden hatte ich schon Bekantschaft gemacht mit einigen Hamburgerherren, wovon besonders einer mit großer Zuvorkommenheit mich behandelte. Mittags hatten wir eine reichlichere table d'hôte als sie uns der Gasthof bieten mochte & die große höchst elegante Cajüte ließ uns kaum merken wir uns auf einem Schiffe befanden. Einer d. Herren, die sehr reiche Handelsleute zu sein schienen, schaffte Champagner herbey & ich, der ich gerade neben ihm saß wurde besonders reichlich bedacht. So kam der Abend unvermerkt herbei & als es dämmerte da hielt das Schiff mitten in d. Elbe, Matrazen wurden herbey geschafft & alles genoß der herrlichsten Ruhe in dem großen Flußbette. Am Abende zuvor hatte ich indessen mit jenem Herrn, der mir so besonders zuvorkommend begegnete Bekantschaft gemacht, obwohl ich mir gestehen mußte, ich ihm weniger Aufmerksamkeit schenke als er mir. – Er bot mir, während der Zeit meines Aufenthalts in Hamburg sein Haus auf so treuherzige & einfache Weise an, ich es nicht ausschlagen durfte, noch wollte. Am andern Morgen um 9. Uhr langten wir an; ich war ziemlich gespannt auf d. Dinge die meiner warteten. Mein Begleiter winkte schon mit dem Nastuche als das Schiff noch über 100 Schritte vom Landungsplatze entfernt war & ich sah deutlich mehrere Nastücher erwiederten. Wir kommen an, ihm springen 2 muntere Kinder, ein Knabe von 7. & ein Mädchen von 9. Jahren entgegen & ihnen folgt seine Gattin, eine nicht gerade schöne aber zarte Gestalt. 7. Wochen war er fort gewesen, Zeit genug um das fröhlichste Wiedersehen hervorzurufen. Von meinem Empfange nur so viel, ich in den freundlichsten Familienkreis mich versezt sah; – ein großes dreistökigtes Haus & großes Waarenlager einfache, aber schön garnirte Zimmer zeigten mir ich es mit einem wohlhabenden Handelsmanne zu thun habe. Wie mir war, welch freudige Veränderung auf solche Dinge in meinem Gemüth vorgieng, kann ich nicht beschreiben, nur so viel, ich genoß da Tage, so froh wie seit meinem Abschiede von der Schweiz nie mehr; man möchte in manchen unsrer Städte lange herumlaufen um eine so treffliche Familie zu finden. Er selbst ist eigentlich Hannoveraner, seine Gattin eine Dähnin; beide innerlich solid, wie in ihrem Hauswesen. Es gieng mir in Bezug auf mich, nicht besser wie dir Alfred in meinem Appenzell; nur ist d. Contrast noch viel größer, zwischen unsrer Philisterwirthschaft & solch einem himmlischen Kreise. - mir dieses glükliche Zusammentreffen für den Aufenthalt in Hamburg, dieser ersten deutschen Handelsstadt, sehr wichtig war brauche ich nicht erst zu sagen. Während 8. Tagen hatte ich herrliche Muße mir alles zu besehen wie den Hafen, in dem ich ein Londner Dampfschiff von 300 Pferdekräften & einen Hamburger Dreimaster zu genauern Einsicht bestieg; ferner das Treiben | der Matrosen unter denen ich bald den Engländer, Schotten, Spanier & Amerikaner unterscheiden lernte; sie haben ihren eignen Markt oder Bazar wie man es nennen will & in d. Nähe da findet sich ihr großes Bordellquartier, wogegen die in Berlin noch sehr an Umfang zurüktretten; Sonntags geht es da förmlich in Procession aus & ein. Das Theater v. Schinkel erbaut, ist sehr schön, Pellegrini aus München gastirte eben in d. Zauberflöte. Chor & Orchester könnten für Hamburg besser sein. D. H. Tivoli ist viel eleganter & großartiger wie das Berliner wie auch d. übrigen Salons & Pavillons weit schöner als d. hiesigen. Das Schönste in Hamburg sind aber d. Landhäuser mit ihren Gärten; es giebt deren eine Unmaße & d. Fülle d. Blumen ist unermesslich; du siehst da ganze Wiesen von Georginien, Rosen etc. In einem stand ein großes gothisches Treibhaus & als ich mit meinem Freunde hineintrat, da sah ich beynahe nichts als d. kostbarsten Schlingpflanzen d. südl. Amerikas & Ostindiens sich übig durch einander winden. Vom Sande ist hier, Dank d. Cultur, keine Spur mehr zu finden & d. regnerische Clima befördert sehr d. Ueppigkeit d. Bodens. Auf d. hohen Michaelis Thurme genoß ich an einem schönen Tage d. Aussicht über das ganze Panorama von Hamburg. Nach 7. glüklich zugebrachten, bei d. Güte der Hamburger Küche (wo ich zum erstenmale auch d. trefflichen Seefische zu genießen bekam) beynahe sybaritisch verlebten Tagen, begab ich mich wieder zu Schiffe um d. Hauptziel meiner Reise zu erreichen, Helgoland nemlich, welches auch d. Glanzpunkt derselben bildet. Das herrlichste Wetter begleitete mich; – bis Cuxhaven fuhren wir immer zwischen Schiffen hindurch auf denen ich öfters 13–17. Segel zählte. Die Einfahrt in d. Meer aus d. Elbe geht so allmählig vor sich, sie nicht überrascht; aber eine wahrhaft kindische Freude hatte ich, wie ich sah allmählig d. schmutzige Elbwasser sich aufklärte & ich es endlich in seiner Klarheit & schönen blaugrünen Färbung vor mir hatte. Ehe wir noch Helgoland recht erblikten, verloren wir schon d. Land aus d. Augen; ziemlich nahe, eine halbe Viertelstunde von der Insel hielt das Dampfboot & wir wurden in großen Kähnen ausgeschifft. Ueberhaupt wimmelte es um diesen Felsen herum von Schiffen, den einzigen Fahrzeugen dieses Eilandes, dessen Einwohner zum Theil noch weder ein Pferd noch Katze gesehen haben. Zwei Kühe, einige Schaafe, dann & wann ein Hund, das sind ihre wenigen vierbeinigen Gesellschafter. D. zahlreiche Badegesellschaft, d. Damen in Nonnenartigen Helgol. Hütchen empfing uns, neugierig ob Bekannte sich darunter fänden. Ich hatte noch am gleichen Abende für Quartier gesorgt & nahm noch einsam, aber in meinen Gedanken nicht allein, bei eben hervortauchendem Monde den obern Theil d. Insel in Augenschein. Bei dem Blik über die zerrissnen Felswände hinaus in d. grenzenlose schön erleuchtete Meer, dessen laute Brandung unter mir während keine menschliche Seele um mich sich regte, wie sollte mein Innerstes nicht neuen Aufschwung daran nehmen. Eine Stunde saß ich wohl auf einem Fleke & sah hinaus; mehr aber als ich sah, fühlte ich; ich konnte wieder einmal leichter athmen, ich fühlte mein Blut sich leichter bewegen, mein Herz voller schlagen & meinen Kopf wieder leichter zu Gedanken kommen. Wornach mich da lebhafte Sehnsucht ergriff, bedarf ich dir nicht erst zu sagen; aber diese Sehnsucht sie drükte | mich nicht; ich fühlte mich vielmehr seelig in solcher Umgebung, in so reger Geistesstimmung allem was mir lieb & theuer ist meine Seele zu wiedmen. Dieser Abend schon hatte mir Helgoland liebgewonnen. – Ich hatte v. Hamburg einen Brief an einen Berliner Herrn mitzubringen der als halbe Empfehlung dienen konnte; dafür ward er auch aufgenommen & ich von ihm seiner Familie vorgestellt. Leider sprach sie mich nicht sonderlich an & so blieb es während meines Aufenthalts, ich sah sie öfter, sprach mit ihnen dem decorum gemäß, aber näher kennen wir einander nicht. Hingegen war ich sehr angenehm überrascht als ich einen gebohrenen St. Galler, Namens Fehr, auch en famille, der aber in Hamburg sich niedergelassen, sprach & wir uns gegenseitig d. Dialekte nach als Schweizer & dan als aus einer Vaterstadt gebürtig erkannten. Welche angenehme Aussicht! Er war trotz langer Abwesenheit v. St. Gallen, doch ein rechter Stok St. Galler geblieben, sogar in seiner Manier zu rauchen & zu trinken; seine Frau eine Hamburgerin sehr liebenswürdig im Umgange; – beide begegneten mir sehr zuvorkommend & ich brachte auch d. meisten Abende mit ihnen zu. Durch sie wurde ich auch mit zweien von ihren Gesellschafterinnen bekannt, einem wirklich sehr schönen Schwesternpaar aus Braunschweig, beide zwischen 17–20 Jahren. Auch ihrer Gewogenheit hatte ich mich sehr zu freuen; ich mußte ihnen viel von unserer Schweiz erzählen & wenn ich sie etwas fragte so erwiederten sie mir mit einer solchen Herzlichkeit & Offenheit die zu treffen mir im Innersten des Herzens wohl that. Kurz ich durfte froh sein, von ihnen noch so leichten Sinnes fortzukommen, ein paar Tage später dürfte es mich mehr Mühe gekostet haben. – Noch waren einige Berlinerfamilien da, ziemlich alle zeichneten sich aber vor den andern durch ihre «Eklich-keit» aus & die andern hielten sich meist fern von ihnen. Indessen hatte ich doch bei d. table d'hote das Glük mit einer äusserst feinen, aber sehr artigen & geistreichen Dame Bekantschaft zu machen & ich unterhielt mich mit derselben sehr angenehm. Sie hatte einen Gemüths-kranken Sohn & eine recht nette Nichte bei sich; auch sie sah ich öfter, machte einige Wasserparthien mit ihr & beim Abschiede lud sie mich auf's freundlichste in ihr Haus zu Berlin ein; – obwohl d. Winter sehr ernst für mich sein wird & ich mich vor zu vielen Zerstreuungen zu scheuen habe, so nahm ich d. Einladung doch gerne an. Sie ist indessen noch nicht von ihrer Reise zurük. An noch andern Bekannten fehlte es mir auch nicht & einige sehr schöne Fahrten um d. Insel, auf d. Klippen, auf d. Makreelen & Dorschfang trugen zur Erhöhung d. gesellschaftlichen Lebens viel bey. – Das köstlichste am ganzen Aufenthalte sind aber unstreitig die Seebäder; ich nahm deren nicht weniger als acht & entschädigte mich für d. versäumten Spreebäder von Berlin. Der Genuß, das wahrhaft schwelgerische Wohlbefinden welches den Badenden dabey zu Theil wird & wogegen selbst unsre schönen Fluß & Seebäder sehr zurükstehen, ist nicht zu beschreiben. Als interessant bemerke ich nur, während unsre Bäder d. äußere Haut auflokern & bleichen, d. Seewasser dieselbe im Gegentheil straff macht & bräunt. Nach dem Bade sah ich dann nach was d. Fluth an Tangen & Thieren ausgeworfen & war versichert täglich neue Beute zu finden. – Natur & Gesellschaft wirkten also hier zusammen, um d. an sich reizende Insel zum entzükendsten Aufenthalte für mich zu machen & es war mir ordentlich | schwer mich von ihr zu trennen als das Dampf[schiff zur?] Rükkehr drängte. – Ich war an d. Fahrt zur See bereits so gewöhnt, ich trotz sehr stürmischer Ueberfahrt nicht seekrank wurde; & doch war an Stehen auf d. Schiffe nicht zu denken & schlugen d. Wellen einmal über das andre über Bord. In Hamburg wurde ich v. d. Familie meines Freundes wieder sehr freundlich bewillkommt, blieb noch da über Nacht & am folgenden, einem wundervollen Herbstabende geleiteten er & seine Gattin auf einem Milcheber nach Haarburg. Da blieben wir noch zusammen bis 10. Uhr, als der Stunde der Postabfahrt: Ich hatte ihnen mehrere schöne Ansichten von d. Schweiz als Andenken zurükgelassen & sie sprachen es mir als einen ihrer ersten Herzenswünsche aus, mich in meiner Heimath einmal besuchen zu können. Mit Trähnen der Rührung schied ich von ihnen. – Den übrigen Theil meiner Reise bot mir viel weniger Interesse dar & hätte ich nicht überall treffliche Gesellschaft gefunden, er hätte mich vielleicht reuen mögen. In Braunschweig kam ich gerade zum Musikfeste; Mendelsohn-Bartholdy dirigirte seinen Paulus den ich aber nicht mehr hören konnte; (ich hatte ihn indessen verflossnes Jahr zu Zürich am Musikfeste gehört.) wohl aber ein von ihm gegebnes prachtvolles Conzert, worin er sich selbst zweimal auf d. Piano produzirte. Im Theater war Oper & Ballet; beide vortrefflich. In ersterm sangen die Fischer-Achten, Schmezer & Poekh. An einem jungen praktischen Arzte aus d. Rheinlanden, der eben nach Pyrmont zu den deutschen Naturforschern reiste hatte ich einen sehr artigen Begleiter während der drei Tage in Braunschweig. – Der Harz ließ mich in Betreff seiner Natur ganz kalt. Schon zu Goslar fand ich indessen in einem dänischen Grafen einen sehr welterfahrnen & jovialen Begleiter & in Ilsenburg am Fuße des Brokens schloßen sich uns noch 2. Göttinger Studiosi an. Viel Witz hatten wir dadurch, vom Broken eine Dame aus Halberstadt mit ihrer Tochter uns als sehr rüstige Fußgängerinnen während 3. vollen Tagen begleiteten. Wir führten, da es sehr gebildete & lebenslustige Frauenzimmer waren ein ganz eigenthümliches Familienleben. Die siebentägige Fußreise that mir übrigens auch gut, nebstdem ich auch auf der übrigen Reise sehr solid & gut lebte, wodurch meine Reise einen Contrast bildete gegen die von Aepli & Zwiki die in Norwegen während 4. Wochen sich mit Schnaps, Butter & Kartoffeln behelfen mußten & die von Eklin & Scherb die während wieder vier Wochen auf d. Fußreise v. Rostok & Hamburg 30 Thaler brauchten. – Sehr aufgeräumt, über meine Reise höchst erfreut, kehrte ich hieher zurük; – meine Bekannten fand mich ordentlich aufgegangen, ich mich selbst sehr wohl & zur Arbeit recht aufgelegt. Dein lieber Brief hat vollends einen schweren Stein mir vom Herzen geworfen & mir eine kindische Freude verursacht. – Aus mehrern Gründen hoffe ich einem angenehmen Winter entgegen zu gehen. Wo es mir unter jetzigen Umständen leichter um's Herz wäre, in Zürich od. hier dürfte eine schwer zu lösende Frage sein; in Bezug auf meine Studien eine viel leichtere. – Köllikern, dem ich bereits ein Quartier in meinem Hause bereitet, erwarte ich stündlich. –

An der Roßtreppe erhielt ich die ersten Nachrichten von eurer Revolution. Im nächsten Briefe wünschte ich mich etwas ausführlicher darüber zu äussern. Für jezt nur so viel, ich Anfangs selbst nahe, daran war, mich blenden zu lassen & sie für ein der That, wenn nicht der Form nach glükliches Ereigniß zu halten. Ich sah mich aber nur zu sehr in meiner Hoffnung getäuscht, als man mit dem Motto: – Versöhnlichkeit! Billigkeit! Gerechtigkeit! so offenbar höhnendes Spiel trieb wie d. Wahlen in d. großen Rath & die obersten Cantonalbehörden beweisen. Das köstlichste was mir zu Ohren gekommen sind d. von stinkendem Hoch- & Uebermuthe strotzenden Bluntschli-Artikel in d. Allgemeinen & einige Copien aus seinem Beobachter im Constitutionel. – Hier hat diese Revolution in d. Art wie sie vollführt wurde allgemeinen Unwillen erregt & so scheint es überall in Deutschland gegangen zu sein. Besonders hat ihr d. Darstellung v. Uebel, die noch nicht wiederlegt ist, d. Hals gebrochen. Wie oft dachte ich nicht an dich, der du durch deine nächste Umgebung für & wieder so nah berührt wurdest. – Ich danke dir, für deinen Bericht aus Zofingen; – auch würde es mich sehr freuen, wenn du mir einiges über deine Hauptausflüge von Appenzell berichten wolltest & was du in dein Album aufgenommen. Papa & Mamma recht viele & herzliche Grüße. Dem guten, über seine Rükkehr gewiß sehr erfreuten Jakob Escher, Brändli & Blumer ebenfalls. - Von Brändli würde es mich ebenso freuen als lebhaft interessiren, gelegentlich wieder einmal zu vernehmen was er treibt & wie es ihm geht. – Begierig bin ich darauf, was eure Universität in Zukunft sein wird. – Was die mediz. Klinik betrifft, so wird wohl d. Vizepraeses d. Comité sich für's Vaterland opfern wollen & d. Stelle einnehmen (so à la Bluntschli ,). Glük auf! zum neuen Jahre, rufe ich dir jezt schon zu, d. Gegenwart möge uns in unserm Eifer nicht hemmen, denn unser ist die Zukunft doch immer mehr.

Carl Sinz.

Eklin, Aepli & Zwiky erwiedern deinen Gruß freundlichst.