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Korrespondenz: Alfred Escher – Daniel Ecklin

AES B0171 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#180*

In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 27

Daniel Ecklin an Alfred Escher, Basel, Montag, 1. Oktober 1838

Schlagwörter: Krankheiten, Napoleonhandel (1838), Turnen und Sport, Turnfeste, Universitäre Studien, Zofingerverein (Studentenverbindung)

Briefe

Basel den 1ten Octobbre 1838.

Theurer Freund!

Es däucht mir bereits ein halbes Jahrhundert verflossen zu sein, seit wir nichts mehr von einander vernommen haben.1 Obschon du meinem schönsten u. innigsten Wunsche nicht entsprochen , u. einen andern Weg zu deinem Bestimmungsort eingeschlagen hast, so war ich doch weit davon entfernt, dir zu grollen, od. deswegen dir nicht zu schreiben; ich hoffe, daß auch bei dir dieser Gedanke nicht Eingang gefunden hat. Leider muß ich bekennen, daß auf mich das Sprichwort passen möchte: «Parturiunt montes, paritur ridiculus mus.»2 – Ich nahm mir nämlich wohl hundertmal vor, dir zu schreiben, u brachte es kaum zu kleinen Anfängen, u. sttt des projektirten, großen Briefes, erhieltst du gar keinen. – Du weißt so gut, wie ich, daß m. immer Zeit findet, um wenigstens einen Brief zu schreiben, mag auch uns die Zeit noch so karg zugemessen , u. die freien Stunden noch so wenig zusammenhängend sein, wie es bei mir stets der Fall war, darum will ich mir jetzt auch keine Mühe geben, mich rein zu waschen. – Möge dieses offene Geständniß u. die Zusicherung der unverbrüchlichsten Treue u. nie erkalteter Liebe dir jeden unangenehmen Eindruck verwischen, den dir meine Nachlässigkt verursacht haben mag. – Wie ich vernommen, ist deine Gesundheit wieder vollkommen erstarkt , was mich unendlich freut, hingegen werden dich deine Studien u. besonders das Nachtragen der verspäteten Collegien sehr in Anspruch genommen, u. dir viel Zeit absorbirt haben. – Was mir nämlich den herben Gedanken an die Entfernung von den lieben Meinigen u. vom Vaterlande überhaupt versüßt, ist die Voraussicht, daß ich in der Ferne mich ungetheilter den Studien wiedmen könne. Zudem werden die Briefe an deine Eltern u. andere nothwendige Correspondenzen dir nicht vergönnt haben, auch an mich zu schreiben. Noch mehr als über mein Stillschweigen wirst du dich wundern, statt meiner diesen Brief vor dir zu sehen. Nun, das wirst du leicht einsehen, daß es eben nicht von mir allein abhing, denn wahrlich ich hätte mich glücklich gepriesen, wenn ich unter den gegenwärtigen Auspicien diesen Winter hätte in Berlin zubringen können. Ohne mich kleinmüthig über mein Schicksal zu beklagen, muß ich dir in dieser Hinsicht doch den Vorzug einräumen; ich bin darauf angewiesen, die Verhältnisse, wie sie sich geben, auf's beste zu benutzen, dir ist's gegeben, sie auf's beste zu gestalten; – (immerhin nulla regula sine exceptione3 ). | Meinem Entschlusse gemäß, der in Zürich zur Reife kam, gegen den Herbst hin mein Examen zu machen, mußte ich darauf bedacht sein, nicht nur angehörte Collegien zu repetiren, sondern auch noch einige mir mangelnde für das Sommersemester zu Stande zu bringen. Schon deßhalb lag ich in doppeltem Geschirre, u. wenn auch dse Collegien vollständig gelesen u. zur rechten Zeit beendigt worden wären, so wäre dennoch die Zeit zu kurz gewesen; dazu kam aber noch, daß ich mich mancher Allotriis4 nicht zu entziehen vermochte, die mir durch meine Beziehungen zum hiesigen Turnwesen u. zum Zofingerverein seit längerer Zeit zugewachsen sind, u. außerdem auch in anderweitigen Verhältnissen ihre Wurzel hatten. – Eben diese Allotria sind es, die mir meine angenehmsten Beschäftigungen, wie eben den Briefwechsel mit meinen Getreuen verbitterten u. störten, u. die meine Pläne durchkreuzten u. verstümmelten, u. von denen los zu werden durch die Entfernung von Basel ich mich innigst sehne. Wenn es möglich wäre zweien Herren auf einmal zu dienen, so würde ich es mit Freuden thun, denn beide waren mir stets lieb u. werth, namentlich früher, wo beide in ihren Forderungen mäßiger waren. – Hier muß ich auch eines Umstandes erwähnen, der schon an u. für sich mächtig genug wäre, mich noch bei den Meinigen zurückzuhalten, es ist die Krankheit einer meiner Schwestern5, die sich in kurzer Zeit entweder zum Leben od. zum Tod entscheiden möchte. – Ich brauche dir diesen traurigen Grund des Hierbleibens nicht weiter auseinanderzusetzen, denn du fühlst ihn so tief als ich. – Wenn ich also diesen Winter noch hier bleibend auf baldiges Wiedersehen verzichten, u. den herlichen Genuß der nächstkünftigen, heimeligen Zofingerabende in Berlin entbehren soll, so kannst du mich nur bedauern, nicht mir zürnen; – du wirst auch meine ernste Bitte verstehen, den Freund in der Ferne nicht zu vergessen u. durch Mittheilung die Freuden, die du genießest mit mir zu theilen, u. so meine jetzige schmerzliche Entsagung mir leichter ertragen zu helfen. – Seit deiner Abreise hat sich bis in neuester Zeit nichts besonders merkwürdiges zugetragen. – Von dem Turnfest in Chur , das Ende July, wenn ich nicht irre, abgehalten wurde, kann ich dir nicht viel melden, da ich selbst nicht dort war, u. zwar eben weil ich noch hoffte, auf den Herbst fortzukommen, u. darum keine Zeit verlieren wollte. 2 Preise (2te Mayer Phil6 u. 7te Biedermann7 ) kamen auf Basel | 2 auf Zürich Köllik.8 u. Schmidt9 3te u. 4te, 2 auf Bern 1te u. 6te, 1 auf Schaffhausen (5te Schenkel10 ) u. 1 auf Chur (8te?) – Es waren ihrer 8 von Basel an dem Fest u. aller Mund war voll von Lob u. Dank. Das Weitere kannst du weitläufiger von den Zürchern erfahren, die nach Berlin kommen, diesen Winter; – ebenso kannst du ausführlichern Bericht vom Zof. Fest (den 24 u. 25t Sept ) besser von jenen als von mir erhalten. – Unser treue, liebe Fritz Isenschmied11 zog mich hauptsächlich hin, dieses für ihn wie für mich letzte Fest noch zu begehen. Es war zugleich eine Gedächtnißfeier, denn du begleitetest uns auf allen Wegen, die wir voriges Jahr mit einander gingen; stets gedachten wir deiner u. manches Gläschen leerten wir in stiller Zurückgezogenheit auf dein Wohl. – Es war wieder ein recht schönes Fest, das seine schöne Früchte bringen wird. – Überall Freude u. Harmonie; nirgends Unmuth u. Unzufriedenheit; die Zofinger alle schienen sich seit langen Zeiten zu kennen, denn durchweg herrschte ein traulicher Ton, offener freundschaftlicher Sinn u. Geselligkeit. – Am ersten Abend waren die Meisten noch gegen 3 Uhr Morgends beieinander; die 2te Nacht wurde von einer Mehrheit zum großen Theil, von etwa 30 ganz u. gar durchjubelt. Gegen Morgen zog m. lärmend u tobend zu den Zimmern der Schläfer, u. zwar zu allen, die in Kneipen einquartiert waren, stürmte sie auf u. schmiß Bettwerk, Schläfer u was m. habhaft werden konnte alles unter einander. Wahrlich ein lustiges Gewühle. – Da hättest du die halb wachenden, halb schlafenden, verdutzten Leutchen sehen sollen, wie sie mit possierlichen Mienen u. schlaftrunkenem, stierem Blick ihr zerstörtes süßes Glück betrauerten u. die stürmenden Zecher gedultig u schweigsam angähnten. – Das lustigste aber von Allem war, wie die Wühlerschaar im blinden Feuereifer sich 4 mal an andern Reisegästen u Philistern12 vergriff u. jedesmal nach erkanntem Irrthum mit einem wahren Höllenspektakel abzog. – Von den Verhandlungen hebe ich nur den Genferischen Vorschlag zur Bildung eines Freikorps hervor. – Lecoultre13, der ihn ausgeheckt hatte, war nicht selbst am Fest erschienen, daher er ihn durch Bordier14 vortragen u. motiviren ließ. – Zuerst eine Weile Stillschweigen; keiner ergreift das Wort für od. gegen zu sprechen u. es scheint sich zu verwirklichen, was man vor der Sitzung vermuthet hatte, daß man über diese Sache noch keinen definitiven Beschluß werde fassen wollen, sondern sie an die Sectionen zur Verhandlung bringen. | Nachdem sich nun aber ein Redner, ich weiß nicht mehr dagegen od. dafür erhoben, stand einer nach dem andern auf, u. so wurde diese letzte Verhandlung zu einer der längsten u. lebhaftesten. – Zum 2ten Male trat Bordier auf; sein Gesicht erglänzte, seine Augen funkelten, sein ganzer Körper war in Bewegung; begeisternd wirkte seine Rede u. das Gemüth mit unwiderstehlicher Gewalt hinreißend, u. vollends der Schluß: «u. kehre ich aus der blutigen Schlacht zurück, so wünsche ich sagen zu können: ‹Ich hatt' einen Kameraden›» etc. – Rauschender Beifall folgte auf diese Worte. – Doch nicht auf Alle machte diese Rede denselben Eindruck. Je weniger Überlegung u. je mehr Verkennung der Schwierigkeiten von den Rednern an Tag gelegt wurde, desto mehr fanden sich Einzelne zur Überlegung angeregt. So auch ich unter andern. – Es schien mir einer Versammlung von Gebildeten nicht würdig zu sein, daß m. einen Beschluß fasse zur Bildung eines Freikorps, ohne vorher sich über Zeit, Zweck u. Wie der Bildung gehörig berathen zu haben, darum ergriff ich gegen meinen frühern Entschluß das Wort. Ich suchte auseinander zu setzen, 1o daß wir uns jedenfalls einem Obersten Commando unterziehen müßten u. daß wir wahrscheinlich von der Tagsatzung zuvor als Freikorps anerkannt werden müßten 2o daß ein jedes Korps, wenn es nicht größern Schaden als Nutzen stiften soll, im Sinne des Schlachtplanes agiren müsse u. folglich geschickte Officire an der Spitze nöthig hätte 3o daß je ungeübter ein Corps sei, desto geschicktere Officire von Nöthen seien 4o daß wir bei dem Mangel an solchen überhaupt in der Schweiz keine erlangen würden 5o daß, wenn sich das Freicorps nur auf den Zof.Verein ausdehnen sollte, mit Abzug derer, welche schon in andere Corps eingetheilt sind, od. erst noch von den Regierungen in Anspruch genommen würden, od. sonst sich verhindert sähen, das Häuflein sehr klein werden dürfte, u. s. w. – Meines Erachtens sei es klüger gehandelt, u. des Zofingers wenigstens eben so würdig, wenn man sich frage, wie man dem Vaterlande wohl nützlicher dienen könne, als: wie angenehmer. Kein Zof. werde sich dem heiligen Kampfe fürs Vaterland entziehen, dann aber nehme jeder die Stelle ein, in welcher er am meisten leisten zu können vorsieht etc. Hebler15 von Bern, der bereits im Bernerischen Contingent eingetheilt u. Ober Lieutenant ist sprach nach mir im gleichen Sinne u. rieth nach gründlicher Auseinandersetzung seiner Gründe, von einem Beschlusse für jetzo wenigenst noch abzustehen, | da es ihm jedenfalls zweckdienlicher schiene, anstatt selbst ein Freikorps zu bilden, sich an die reglirten Truppen entweder truppweise od. einzeln anzuschließen, u. namentlich die Lücken auszufüllen zu suchen, die entweder durch die Schlacht od. durch andere Ursachen in den Reihen der Soldaten entständen. – Das heiße auf eine stille, bescheidene Weise dem Vaterlande seine Dienste anbieten, während wir durch Erhebung des Vorschlags zum Beschluß uns kaum von andern bramarbassirenden16 Poltervereinen unterschieden, – uns mit diesen in eine Kathegorie stellten etc. – Dennoch ging der Vorschlag Lecoultre's durch. – Bordier bereute zwar kurz nachher, nach einer privat-Unterredung17 mit Hebler auf seinem Antrag beharrt zu haben; allein die Sache kam nicht wieder vor, u so blieb es beim Beschlusse. Der neue C.A. (dessen præsident Puenzieux18 ist) hat die Zofinger im Fall der Noth zu einem Freikorps zusammenzurufen.19 – Von den neuesten politischen Gestaltungen in us. lieben Vaterlande wirst du ausführlich von deinem Herrn Vater berichtet sein. Nach den neuesten Privatnachrichten soll eine neue Note angelangt sein, welche Beschränkung der Preßfreiheit u. der Schutzvereine etc. verlange. Diese Forderungen, wie diejenige, welche die Auslieferung Louis Bonaparte's20 verlangt21, sind im Grunde nicht unvernünftig, u. ihre Ausführung, wenn sie rein von den Regierungen ausgegangen wäre, hätte den wohlthätigsten Erfolg haben müssen; nun aber müssen diese Forderungen nothwendig Unheil über die Schweiz herführen, wenn anders dieselbe sich nicht die Schmach für ewig will auf den Nacken brennen lassen, von Frankreich geschulmeistert worden zu sein. Ich glaube, Frankreich hat uns weder Moral noch Vernunft zu predigen, u. jene an u für sich vernünftigen Forderungen werden in seinem Munde zu unvernünftigen, zu unmoralischen. Zuerst verpflanzt Frankreich ein Übel in us. Vaterland u. hinterher will es uns strafen dafür. Woher kommt alles unser Unglück? O, es empört sich mein Innerstes, u. Haß u. Rache tauchen auf. – Fluch, doppelter Fluch auch über diejenigen Schweizer, die in ihren Lüsten u. Begierden ihr Bürgerthum u. ihre Menschenwürde eingebüßt haben, u. jetzt, als würden sie von höllischen Furien getrieben, ihr Unglück zum allgemeinen machen , mit schwarzem Neid u. giftigem Hasse das Wohl ihrer Mitbürger belauern | u. mit teuflischer Schadenfreude den Krieg willkommen heißen. – Noch wäre Rettung zu hoffen trotz dem gräßlichen Toben dieser Ungeheuer, wenn nur Einigkeit unter den übrigen herrschte. – Leider sind in der Schweiz Ehrgefühl u. Rechtsgefühl zwei geschiedene Tugenden. – Die Jugend, gäbe Gott, daß sie nicht bloß wortrüstig sei, fragt bloß das Ehrgefühl, u. es ist ihr unerträglich, eine Nation über unser Vaterland die Geissel schwingen zu sehen, welche schon längst alle Religiosität u. alle Sittlichkeit mit Füssen getreten hat. Die ältern Männer u Greise hingegen, deren Kraft u. Selbstgefühl, bei Vielen wenigstens, in Rauch u Flammen ihrer Leidenschaften aufgegangen ist, u. die dem Kriege u. allem abhold sind, was ihr erworbenes Glück zu zertrümmern u. ihre behagliche Ruhe zu stören droht, fragen nur ihr Rechtsgefühl, u. kümmern sich nicht darum, woher die Forderungen kommen, u. welche böse Absichten unter den scheinbar vernünftigen Forderungen stecken mögen, auch nicht darum, ob ihre jüngern Schweizerbrüder mit ihnen einig seien od. nicht, u. ob die Meinung dieser nicht ebenso edel u. gut sein könne, als die ihrige, da doch allgemein ausgemacht ist, daß auf beiden Seiten sowohl Frankr. als der Schweiz das Recht nicht rein ist. –

Leider muß ich jetzt schließen; die Zeit drängt mich. Ich denke, dies wird nicht der letzte Brief sein vor us. Wiedersehen; ich habe dir über Vieles noch zu schreiben. Carl König22, von Bern, Candid. Theologiae – erweist mir die Gfälligkt diesen Brief an dich zu besorgen.23 Möge er dich gesund u. rüstig antreffen. –

Lebe wohl! Meinen herzinnigsten Gruß u Kuß Dir.

Dein

Ecklin stud. medicinae

Kommentareinträge

1Der letzte (briefliche) Kontakt zwischen Ecklin und Escher vor diesem Brief erfolgte im Mai 1838. Vgl. Daniel Ecklin an Alfred Escher, 13. Mai 1838; Alfred Escher an Jakob Escher, 19. August 1838.

2Parturient montes, paritur ridiculus mus (lat.): die Berge werden schwanger sein, eine lächerliche Maus wird geboren.

3Nulla regula sine exceptione (lat.): keine Regel ohne Ausnahme.

4Allotria (gr.): fremde, nicht zur Sache gehörige Dinge; Unfug.

5Person nicht ermittelt.

6Person nicht ermittelt.

7 Alois Emanuel Biedermann (1819–1885), von Winterthur, Theologiestudent. Alfred Escher an Jakob Escher, 19. August 1838, Fussnote 18.

8 Albert Kölliker (1817–1905), von Zürich, Medizinstudent. Egbert Friedrich von Mülinen an Alfred Escher, 18. Mai 1834, Fussnote 20.

9 Caspar Schmid (1818–1884), von Zürich, Theologiestudent.

10Person nicht ermittelt.

11 Friedrich Rudolf Isenschmid (1815–1891), von Bern, Theologiestudent. – Mitglied der Sektion Bern des Zofingervereins (1833–1838; CP 1837/38), Pfarrer in Courtelary (1845–1852) und Köniz (1852–1885). Vgl. Beringer, Zofingerverein II, S. 543; HLS online, Isenschmid Friedrich Rudolf.

12Philister (studentisch): jemand, der kein Student ist; Bürger, Spiessbürger, Hauswirt.

13 Elie Lecoultre (1816–1882), von Genf, Theologiestudent.

14 François Bordier (gest. 1881), von Genf, Theologiestudent.

15 Johann Karl Hebler (geb. 1815?), von Bern, Rechtsstudent.

16Bramarbasieren: prahlen, aufschneiden, grosstun.

17Sofortige Korrektur, zuvor: «mündlichen Unt» .

18 Jules Puenzieux (1818–1859), von Le Châtelard, Rechtsstudent.

19 Vgl. Prot. allgemeine Versammlung Zof.-Ver., 25. September 1838.

20 Charles Louis Napoléon Bonaparte (1808–1873), Neffe Napoleons I.

21 Bonaparte, der spätere Kaiser Napoleon III., wohnte auf Schloss Arenenberg bei Salenstein und hatte 1832 das thurgauische Bürgerrecht erhalten. Aus dem Exil beteiligte er sich an Umsturzplänen gegen den französischen König Louis-Philippe, namentlich an einem Putschversuch gegen diesen in Strassburg 1836. Frankreich verlangte Anfang August 1838 Bonapartes Auslieferung, was die Schweiz mit Hinweis auf dessen Status als Schweizer Bürger verweigerte. In der Folge liess Frankreich Truppen an der Grenze aufmarschieren. Mit der freiwilligen Ausreise Bonapartes nach England Mitte Oktober 1838 normalisierte sich das Verhältnis zwischen den beiden Staaten wieder. Vgl. Fetscherin, Repertorium II, S. 50–55; Biaudet, Suisse, S. 435–525; Schoop, Kern I, S. 122–136.

22 Karl Friedrich König (1813–1875), von Bern, Theologiestudent.

23Bemerkung auf Briefumschlag, zuhanden Königs: «Lieber Carl! Nachdem du diese Zeilen gelesen – lasse nur den Brief offen; übrigens magst du dann auf die andere leere Seite dieses Briefes die Addresse an Alfred Escher aufschreiben. – Lebe wohl. Glückliche Reise. D. Ecklin. Melde mir u[mgehend?] mit einigen Zeilen den Empfang dieses Briefes.»