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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0167 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#452*

In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 26 | Jung, Aufbruch, S. 82 (auszugsweise), 91–94 (auszugsweise), 159 (auszugsweise)

Heinrich Schweizer an Alfred Escher, Schwerzenbach, Dienstag / Donnerstag / Dienstag, 14. / 23. August, 4. September 1838

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Gemeinderat Enge, Hörner- und Klauenstreit SZ (1838), Kantonsteilung BS/BL (1833), Kommissionen (kommunale), Kunst und Kultur, Wahlen, Zürichputsch (1839)

Briefe

Schwerzenbach 14 August 1838.

Mein lieber Alfred!

Hättest Du die Freude gesehen, welche mir Dein l. Brief1 vom 19 Juni gewährte, Du könntest es kaum begreifen, warum mein Dank dafür so lange ausstand u. meine Antwort darauf so lange zögerte. Ich will nicht versuchen, mich deßhalb zu rechtfertigen, obschon es mir an genügenden Gründen nicht fehlen würde, sondern lieber, auf Deine freundliche Nachsicht zählend, gerade an mein Schreiben selbst gehen.

Das Erste, was ich berühre ist natürlich das, was Dir am meisten Freude macht und was Du wohl auch zunächst von mir erwartest: Belvoir. Daß ich oft u. viel dorthin pilgere, versteht sich von selbst; es treibt u. drängt mich, so oft als möglich, Deine Lieben dort zu sehen u. jedes Mahl wieder neue Nachrichten von Dir zu hohlen. Eine innige Freude macht es mir, Dir melden zu können, daß Papa fortdauernd einer herrlichen Gesundheit genießt u. gerade auch in dieser Jahreszeit bei seinen Blumen selig ist. Außer Belvoir verschafft ihm Dem. Vial2, die ausgezeichnete Opern-Sängerinn, herrliche Genüsse, welche zu hören Papa nie unterläßt, so oft sie auftritt. Du hättest gerade auch jüngsthin bei der Aufführg. des 2n Concertes der schweizerischen Musikgesellschft sehen sollen, wie der gute Vater, ganz entzückt über die Kunstleistungen der Sängerinn, der Erste war, der dieselbe bei ihrem Auftreten in der Fraumünster-Kirche mit Klatschen begrüßte. Anfangs allein brach er durch seine Beharrlichkeit Bahn, u. die Gunstbezeugungen der Zuhörer auch für die nachher auftretenden Künstler hatten nun, zum ersten Mahle in dieser Kirche, ihren Weg gefunden. Eine unerhörte Revolution für gewisse fromme Seelen! – Du hattest mir in Deinem Briefchen3 (dem einzigen von Belvoir aus nach Schwerzenbach) geschrieben, Du wollest mir mündlich noch erzählen, wie Deines Vaters Name groß geworden unter dem Volke; allein natürlich im Augenblicke des Abschiedes konnte davon nicht mehr die Rede sein. Ich könnte Dir hiefür nun auch ein Beispiel anführen u. melden, wie Papa von der Gemeinde Enge in e. Commission gewählt wurde zur Berathung der von Richtersweil angeregten Verfassungsänderungen, wie er mitten unter dem Volke der lieben Mitbürger bis Nachts 11 Uhr im Sternen saß u. mit andächtiger Aufmerksamkeit u. großem Beifall angehört wurde; wie dann die sorgsame Mutter Jakoben4 nach dem Sternen sandte, um sich nach Papa zu erkundigen; wie dieser von jenem am Ärmel gezupft u. angegangen wurde, «die Frauen Escher laße ihm sagen, er solle heim kommen», Jakob aber leer heim geschickt wurde, cet. cet. Ein köstlicher Spaß, der uns schon manche Freude gemacht u. den Du Dir von Herrn Heer mußt erzählen lassen.

Die gute Mutter ist immer dasselbe treu sorgende u. freundlich waltende Wesen. Ihrer selbst fast ganz vergessend, lebt sie nur für die Ihrigen u. ihr Hauswesen. Wie ich sie beobachten konnte, geht es ihr immer abwechselnd; während der ganzen Zeit des eidsgenöss. Musikfestes befand sie sich gar ordentlich, u. Du weißt, welche heitere Munterkeit ihr dannzumal eigen ist. Jüngsthin war sie sehr geplagt, so lange die Decken des Lehrzimmers u. der Laube geweißt wurden; u. es ist sich zu wundern, wie sie es aushalten konnte, beim heftigsten Zugwinde u. ganz kühler Witterung fast immer bei den Arbeitern zu stehen, u. diese zu dirigiren, bis Alles aufs genaueste in Ordnung gebracht war. Jetzt sieht aber auch Alles wieder glanzvoll aus: u. das zu zeigen macht Mamma nicht wenig Freude!

Natürlich daß wir vorzugsweise gerne u. oft uns von Dir unterhalten. O welche Freude hat noch jeder Deiner Briefe nach B. gebracht! u. mit welcher Gewißheit wird jeden Dienstag ein solcher von Dir | erwartet! Papa lebt steif u. fest der Überzeugung, ein braverer u. wackerer Mensch als sein Alfred habe noch nie auf einer Universität gelebt, u. wir sprechen dann, was sich von selbst versteht, unser Amen dazu, u. sind stolz darauf, daß dieser Alfred auch uns ein wenig angehört.

Aber Eines ist, was der guten Mutter Deine Abwesenheit erschwert u. schon wiederhohlt einen kleinen Seufzer u. einen Herzenswunsch entlockt hat. «Ach, er sieht mi ja nid a!» sagt sie betrübt, wenn sie Dein Porträt beschaut od. davon spricht. Deinen «freundlichen Blick» mißt sie sehr, u. auch schon einmal sagte sie: «Wenn er mir nur in Berlin sein Bild von einem guten Miniaturmahler verfertigen ließe, in welchem er mich ‹so fründlich u. heimelig› anschauen würde, ich glaube, ich hätte meinen Alfred wieder u. es wäre mir Alles geschenkt!» Ich glaubte, Dir diese Äußerung nicht vorenthalten zu dürfen, u. bin überzeugt, daß Du eine unbeschreibliche Freude u. Überraschung bereiten könntest, wenn Du, etwa zum Neujahrsgruße, Dein die Mutter «fründlich anschauendes» Bild von einem tüchtigen Künstler verfertigen und Deinen Lieben senden würdest.

23 Aug.

Nun Einiges mit Beziehung auf Dein Schreiben!

Mit der in den Zeitungen aller Welt verkündeten unendlichen Aufregung zu Gunsten des Erzbischofs5 zu Cöln verhielt es sich, wie man leicht denken konnte, wie einst bei uns in den politischen Wirren von Schwyz6 u. Basel7, u. zum Theil auch damals, als bei dem bekannten Entlassungsgesuche unsers Schulpapstes8 «Ein Schrei des Schreckens u. des Unwillens», wie der Republikaner meldete, durchs ganze Land ging. Das alte Lied, welches wir seit 1830 bis zum Ekeln oft anhören mußten u. nach welchem die Stimme Einzelner des Volkes Wille sein sollte, hat auch in der neuern Schwyzer-Angeleght wieder angestimmt werden sollen. Recht fein sollte die allerdings empörende Prügelei am Rothenthurm zur Anarchie erhoben u. dem Volke die Forderung einer neuen Verfassung eingetrichtert werden. Allein am Ende siegte doch das Recht, und von der vernünftigen Mäßigung od. leidenschaftlichen Hitze der Parteien wird es nun abhängen, welche Grundsätze in ein Paar Jahren die herrschenden sein werden. Leicht indessen dürfte es im Cant. Schwyz ergehen, wie im Cant. Basel; alle Anzeichen sind dazu da, u. die radicalen Blätter lassen es nicht an Aufhetzungen fehlen.

Deine Bemerkungen über die Katholiken in der Gegend von B. waren mir sehr interessant. Prof. Walter9 erscheint als e. Typus eines guten reinen Katholiken, wie die Kirchengeschichte uns manche Helden der Art seit d. Zeiten eines Gregors10 u. Innocens11 anführt. Nun solche Männer leisten immer noch viel Gutes; sie öffnen dem vernünftigen Denker u. selbstständ. Forscher am schnellsten die Augen, u. an denen, welche sie für ihre Lehren u. Ansichten zu gewinnen wissen, verliert am Ende die Wissenschaft u. das Leben nur wenig; diese geben dann freilich blinde Führer der Blinden, denen indessen doch allmählig die Binde vom Auge fallen wird. Der Mitternacht tiefe Finsterniß muß zuerst durchlebt sein, ehe die Morgendämmerung u. das Tageslicht anbrechen kann. – Deine Ansichten über die protestantischen Professoren der Theologie, besonders insoweit sie Nitsch12 betreffen, sind ganz die meinigen. N. ist allerdings einer der ersten Namen der jetzt lebenden Theologen, , Ullmann13 u. Umbreit14, die hochgefeierten Herausgeber einer der besten theolog. Zeitschriften15, wetteifern mit ihm; u. neben diesen drei Gelehrten hat wohl der Kirchenhistoriker Neander16 in Berlin den meisten Einfluß auf unsre jüngern Geistlichen, von denen, wie Du weißt, die Einen als Mystiker, die andern | als Rationalisten gelten, alle aber als die rechtgläubigen sich wollen gehalten wissen. Auf jeden Fall spielt der Mysticismus eine bedeutende Rolle, u. dessen Bekenner machen auf d. Ruhm Anspruch, die Wissenschaft u. den Glauben mit einander versöhnt u. in Harmonie gebracht z. haben. Mir dünkt es immer ein mißliches Ding um die Wahrheit, wenn sie nur in e. gewisses Halbdunkel gehüllt einher gehen muß u. Alle aus ihr Alles machen können. Je wahrer, desto klarer soll sich der Gedanke ausdrücken u. wiedergeben lassen. In dieser Beziehg sind Krug17 u. Strauß18 ausgezeichnete Meister. – Prof. Elwert19, den man um so mehr hochschätzte, je näher man ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatte, wird nun Zürich nächstens verlassen. Wer sein Nachfolger sein wird, ist noch ganz im Dunkeln. Da man keine besondere Lust zu haben scheint, den Kampf für oder wider Strauß wieder zu beginnen, zumal da derselbe in s. Ansichten schon zu wanken u. theilweise zu revociren anfängt, da zudem kein besonderer Name bekannt ist, der für unsre Verhältnisse u. Bedürfnisse passen würde: so will man mit der Wiederbesetzung der Stelle einstweilen zuwarten u. günstigere Zeiten abwarten. Die vorhandenen Professoren u. Docenten haben sich zur Übernahme derj. Fächer verstanden, welche der nun vacanten Stelle sonst zukommen.

Den 4 Septbr.

Dein Abschied von Zürich20, um auch diesen noch mit e. Paar Worten zu berühren, ist mir sehr nahe gegangen, u. ich fühlte so ganz lebendig u. tief, was Du mir warst, als der Wagen Dich auch mir davon führte und ich, einsam u. in Gedanken nur bei Dir weilend, in mein Schwzbch zurück kehrte. Ich hätte weinen mögen, daß mir die Freude nicht zu lieb ward, Dich noch ein Paar Stündchen weit begleiten zu können. Worauf ich indessen einen großen Werth setzte u. jetzt noch stolz bin, ist der Umstand, den Du vielleicht nicht beachtetest: daß Du den letzten Abschiedskuß in Zürich u. den letzten Händedruck Deinem Lehrer u. Freunde gabst u. von ihm empfingest. – Wie oft habe ich seit Deiner Abreise den Wunsch gehegt, auch nur auf ein Paar Stündchen Dich wieder sehen u. mich von Deinem Wohlergehen von Angesicht zu Angesicht überzeugen zu können; u. noch nie war ich in Belvoir, ohne daß ich vor Deinem Bilde mich verweilt u. herzliche Segenswünsche Dir zugesandt hätte.

Mein Leben u. Wirken hier in Schwzbch ist so einseitig u. alltäglich als möglich. Wenn es mit meiner Gesundheit im Ganzen genommen ordentlich, jedoch seit einiger Zeit nicht so geht, wie ich gehofft u. wünsche, so sieht es dagegen in der Gemeinde, welche immer noch in unsel. Parteien zerrissen ist, sehr traurig aus; nicht zwar daß ich irgend welche Unfreundlichkeiten u. Kränkungen gegen meine Person erfahren hätte; im Gegentheil; aber der Unfriede und die heftige Erbitterung der Gdsbürger wegen der seit 7 Jahren obschwebenden Schulhausbaute ist der Hemmschuh für alles Bessere. Ich kann beinahe gar nichts wirken u. muß nur zusehen u. meine Geschäfte unter den steten Reibungen der Parteien so kalt u. mechanisch als möglich besorgen. O wie prosaisch da Alles aussieht! Hätte ich nicht die herrliche Natur vor meinen Blicken u. würde mich diese nicht immer wieder himmlisch stimmen u. entzücken, ich glaube, mein Gemüthsleben müßte untergehen, zumal da auch meine häusliche Einsamkeit u. Einseitigkeit mir immer beschwerlicher u. drückender wird, u. sich gerade keine besondere Neigung zeigt, e. Änderung zu treffen. Herr Heer glaubte zwar, «ein Besuch bei ihm könnte für mich nicht unwichtig werden, indem ich dadurch veranlaßt werden dürfte, ebenfalls das Junggesellenthum aufzugeben, wenn ich sehe, welch wohlthätigen Einfluß der heil. Ehestand auf ihn ausgeübt habe!» Nun ich war (mit Pfr. Eisenring21 ) bei Heer u. sah ihn u. s. Gattinn22 e. Abend auf Belvoir : aber meine Gesinnung hat deßwegen noch keine Änderung erlitten!23 – – Welch e. himmelweiter Unterschied zwischen hier u. Bubikon! Dort lebte ich; hier muß ich vegetiren, u. darf nicht einmal ruhig e. Wörtchen mit einem Gdsgenossen sprechen, ohne das Mißtrauen aller übrigen zu erregen. Welch' e. Genuß daher, wenn ich v. Zeit z. Zeit nach Zürich u. Belvoir komme, u. dann etwa auch Geleght finde, e. Oper anzuhören! Das sind mir liebliche Klänge, die mich noch laben, wenn ich wieder in meine disharmonische Gemeinde u. mein eintöniges Pfarrleben zurück gekehrt bin. – Meine Verhältnisse zum Capitel kennst Du schon. Die Decanatswahl, ja der Dreiervorschlag dazu, ist noch nicht geboren; Du hast deßnahen noch Zeit genug, | auf eine recht schöne u. rührende Gratulationsrede für den künftigen Hochehrwürdigen zu studiren! Du magst sie vorläufig in Bereitschaft halten u. an Deinen vielgeliebten Freund24 in Uster adressiren; nur nicht nach Schwzbch, wo der Geringsten Geringster in stiller Zurückgezogenheit wohnt u. sein Lebtag nie weder in Versuchung noch in d. Fall kommen wird, etwas mehr u. Höheres zu werden, als er ist. Und selbst wenn ich Erzbischof von Canterburi würde, möchte ich von Dir, mein Lieber, nie eine andere Anrede hören, als die, womit Du mich in Deinem l. Schreiben begrüßtest, sowie auch ich, magst Du in der Welt noch werden, was Du willst, Bürgermeister in Zürich, Landammann der unirten Helvetika od. gar Gemeindschreiber in Enge, mir, wenigstens in unsern Privatverhältnissen, das Vorrecht ausbitten möchte, Dich meinen lieben, theuern Alfred nennen zu dürfen. Das warst u. bist Du meinem Herzen, seitdem ich Dich kennen lernte, u. das sollst u. wirst Du mir Zeit Lebens bleiben, selbst dann, wenn ich mit meinen Äußerungen dessen, was mein Herz für Dich fühlt, zurückzuhalten durch äußere Verhältnisse genöthigt wäre. Also immerhin sei weder von Wohl- noch gar von Hochehrwürden die Rede, wenn Du etwa in einem künft. Briefchen mich begrüßen u. erfreuen willst. Wahre alte Titulatur ist mir die allein erwünschte; denn sie ist die freundlichste u. herzliche!

Nun aber, mein Lieber, Gott befohlen! Ich schließe, um sogleich über d. Berg nach Belvoir zu pilgern, in der freudigen Hoffnung, Deine Lieben dort wohl anzutreffen u. neue günstige Nachrichten v. Dir zu vernehmen! Meine besten Wünsche auf Deine Reise sowie für Dein stetes Glück u. Wohlergehen! – Mit herzlicher Liebe u. steter Treue

Dein

H. Schweizer.

Kommentareinträge

1Brief nicht ermittelt.

2 Antoinette Vial (geb. 1804), bayerische Opernsängerin (Mezzosopran).

3Brief nicht ermittelt.

4Person nicht ermittelt.

5 Clemens August von Droste zu Vischering (1773–1845), Erzbischof von Köln. – Droste zu Vischering weigerte sich, eine Konvention einzuhalten, die sein Vorgänger mit der preussischen Regierung hinsichtlich gemischter Ehen geschlossen hatte. Am 20. November 1837 setzte ihn die Regierung in Festungshaft, aus der er erst im April 1839 entlassen wurde. Vgl. ADB V, S. 424–430; NDB IV, S. 133–134.

6Die äusseren Bezirke des Kantons Schwyz forderten 1830 die Ausarbeitung der seit 1814 zugesagten Verfassung und Rechtsgleichheit mit dem alten Lande Schwyz. Als dies nicht in gewünschtem Masse geschah, schlossen sich die Bezirke March, Pfäffikon, Einsiedeln und Küssnacht zum «Kanton Schwyz äusseres Land» zusammen, wählten den Bezirkslandammann der March, Franz Joachim Schmid, zum Landammann und arbeiteten eine Verfassung aus. Die Tagsatzung anerkannte Ausserschwyz im April 1833 unter Vorbehalt der Wiedervereinigung. Da die Stimmung in Schwyz unruhig blieb, besetzten eidg. Truppen beide Halbkantone. Unter Aufsicht eidg. Repräsentanten wurde eine gemeinsame Verfassung ausgearbeitet, unter der Ausser- und Innerschwyz wieder vereinigt wurden. Sie trat im Oktober 1833 in Kraft. Vgl. Wyrsch, Schwyz; Castell, Schwyz, S. 79–84; Meyerhans, Schwyz, S. 45–55; Horat, Streit, S. 67–70.

71830 forderten Basler Landbürger eine Verfassungsrevision im Sinne einer Gleichberechtigung von Stadt und Landschaft. Der Grosse Rat kam diesem Wunsch nur teilweise entgegen. Auf die Bildung einer provisorischen Landschäftler Regierung reagierte die Stadt mit militärischen Massnahmen, während Befürworter einer Selbständigkeit der Landschaft gegen stadttreue Ortschaften vorgingen. Diese gewaltsamen Auseinandersetzungen führten im Herbst 1831 zur militärischen Intervention der Tagsatzung. Im März 1832 konstituierte sich der Kanton Basel-Landschaft. Nachdem im August 1833 ein letzter Versuch der Stadt, militärisch gegen die Landschaft vorzugehen, gescheitert war, beschloss die Tagsatzung die Totaltrennung des Kantons Basel Basel-Landschaft. Vgl. Heusler, Trennung; Fetscherin, Repertorium I, S. 524–631; Leuenberger, 1830 bis 1833; Dierauer, Eidgenossenschaft, S. 523–526; Alfred Escher an Heinrich Schweizer, 8. / 9. September 1831, Fussnote 5.

8Gemeint ist Ignaz Thomas Scherr (1801–1870), Direktor des Lehrerseminars Küsnacht. – Scherr hatte im Februar 1836 als Folge persönlicher Angriffe und Unzufriedenheit mit der Neuorganisation des Seminars seinen Rücktritt eingereicht und im Juli 1837 das Gesuch erneuert. Nach Anpassung des Schulgesetzes und Ausarbeitung eines neuen Seminarreglements im Sinne Scherrs zog er Anfang November 1838 das Entlassungsgesuch zurück. Vgl. Wettstein, Regeneration, S. 577–591.

9 Ferdinand Walter (1794–1879), ordentlicher Professor für Kirchenrecht sowie römische und deutsche Rechtsgeschichte an der Universität Bonn.

10Vermutlich Papst Gregor I. (um 540–604).

11Vermutlich Papst Innozenz I. (gest. 417).

12 Karl Immanuel Nitzsch (1787–1868), ordentlicher Professor für systematische und praktische Theologie an der Universität Bonn.

13 Karl Ullmann (1796–1865), ordentlicher Professor der Theologie an der Universität Heidelberg.

14 Friedrich Wilhelm Karl Umbreit (1795–1860), ordentlicher Professor der Theologie an der Universität Heidelberg.

15 Vgl. Theologische Studien und Kritiken 1828–1947.

16 August Neander (1789–1850), ordentlicher Professor für Kirchengeschichte und Neues Testament an der Universität Berlin.

17Vermutlich Wilhelm Traugott Krug (1770–1842), Professor der Philosophie an der Universität Leipzig.

18 David Friedrich Strauss (1808–1874), württembergischer Theologe.

19 Eduard Elwert (1805–1865), ordentlicher Professor für Neues Testament, Kirchengeschichte und Dogmatik an der Universität Zürich.

20Escher verliess Zürich im Mai 1838, um sein Studium in Bonn fortzusetzen. Alfred Escher an Jakob Escher, 18. / 22. Juni 1838; Chronologie Alfred Eschers, 17.–20. Mai 1838.

21 Joseph Eisenring (1782–1868), Pfarrer in Ragaz. – Heinrich Escher hatte Eisenring 1820 auf einer Reise durch die Alpen kennengelernt, als dieser Schmetterlinge jagte. Die beiden Männer teilten die Begeisterung für die Entomologie. Vgl. Heer, Escher-Zollikofer, S. 223, 235.

22 Margareth Heer-Trümpy (Lebensdaten nicht ermittelt), Tochter des Pfarrers David Trümpy; seit 19. Juli 1838 Ehefrau Heers.

23In seinem nächsten Brief an Escher vom November 1838 zeigt Schweizer seine Verlobung an. Vgl. Heinrich Schweizer an Alfred Escher, 18. November 1838.

24Gemeint ist vermutlich Otto Anton Werdmüller (1790–1862), Pfarrer in Uster; ab 1838 Dekan. – Werdmüllers Sohn Johann Georg Otto Werdmüller (1818–1886) war Medizinstudent an der Universität Zürich und gemeinsam mit Escher im Zofingerverein. Vgl. Verzeichnis Zof.-Ver. Sekt. ZH, S. 14; HBLS VII, S. 489; Matrikel UZH online, Werdmüller Johann Georg Otto.