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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B0151 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#119*

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 31. März 1838

Schlagwörter: Reisen und Ausflüge, Universitäre Studien

Briefe

Glarus den 31. März 1838.

Theurer Freund!

Eine erfreulichere Erscheinung, ein Lichtstrahl in das Dunkel meiner Ungewißheit u. bangen Erwartung war mir dein lieber Brief, den ich diesen Morgen erhielt, u. ich danke dir herzlich dafür, daß du auch vor dem Eintreffen des Katalogs mir einige Nachrichten zukommen ließest. Es ist reine Vergeßlichkeit von mir, daß ich dich nicht schon in meinem letzten Briefe wegen der Bücher schrieb; ich wünsche auch sehr, daß wir uns darüber verständigen können, so daß jeder von uns dieselben für beide mitnimmt, damit wir nicht so viele mitschleppen müssen. Ich möchte dich nun vorzüglich bitten, außer den von dir genanten Büchern noch dein altes Gothofredisches Corpus – da meines [«nu müx»?] aussieht u. wohl auch ist u. wir doch einen Codex haben sollten –, ferner dein lateinisches u. dein griechisches Lexikon – da doch auch diese mehr oder weniger nothwendig sind u. du auch hierin besser, als ich, bestellt bist – mitzunehmen; dagegen anerbiete ich mich, das Corpus von Kriegl, das Corpus antejust. u. den Cicero zu nehmen, welche du dann also, wenigstens die letztern beiden, bei Hause lassen kannst. Das Onomasticon, Livius, Tacitus, Thucydides, Schlosser u. Meyer kann ich dann also von dir benutzen; ebenso werde ich noch zu gemeinsamem Gebrauche Plato, Aristoteles Politike, Herodot, Gellius, Makeldey, Thibaut's System, Niebuhr, Kellers Litis Contestatio, Schöns Nationalökonomie u. Bluntschli's Rechtsgeschichte mitnehmen. An diesen Büchern werden wir, hoffe ich, genug haben. – Mein Paß soll heute noch nach Bern abgehen, um vom franz. Gesandten noch legalisiert zu werden. – Für alle gegebnen Aufschlüsse bin ich dir äußerst dankbar. Deinem verehrten Hrn. Vater lasse ich für sein gefälliges Anerbieten vielmal danken; ich hoffe aber, ihn mit meinen Angelegenheiten nicht ferner belästigen zu müssen. Eine bestimmte Antwort darauf muß ich mir indessen für meinen nächsten Brief vorbehalten. – Wenn du die Gefälligkeit haben wirst, mir den Auszug des Katalogs zu senden, so möchte ich dich zugleich ersuchen, mir zu schreiben, welchen Tag | du für unsre Abreise festsetzen würdest; auch möchte ich wissen, wann nun die Theologen abreisen. Da nun also das Semester den 7. Mai anfängt, so denke ich, wir werden erst nach Ostern verreisen; jedenfalls aber möchte ich deßhalb die Abreise nicht zu lange verzögern, u. würde also den Donnerstag oder, wenn es dir lieber seyn sollte, den Dienstag nach Ostern dazu vorschlagen ( Mittwochs könnte ich nicht, weil Dienstag von hier keine Post fortgeht), weil wir doch etwa 12 Tage für die Reise brauchen werden. Ich möchte mir nämlich nun für Heidelberg, vielleicht auch für Straßburg von dir einen Tag Aufenthalt ausbitten, weil ich an beiden Orten Bekannte zu besuchen habe. Wenn wir an ersterm Orte etwas länger bleiben, als wir früher beabsichtigten, wirst du es gewiß auch nicht bereuen; eine Universitätsstadt ist für einen reisenden Studenten immer sehr merkwürdig u. das Burschenleben, das außer Jena nur noch in Heidelberg floriert, möchte man doch wenigstens in einem flüchtigen Ueberblicke kennen lernen. Durch mehrere Freunde, welche ich dort habe, würden wir schnell die Bekanntschaft sämtlicher dort studierender Schweizer u. ihres Lebens u. Treibens machen können, was doch auch intressant ist. – Grüße mir noch die Berliner viel tausend Mal. Sie werden wohl die nächste Woche fortgehen? Schweizer'n werde ich vielleicht noch schreiben. Dem diplomatischen particulier sind wohl warme Bäder allerdings höchlich anzurathen, damit seine steifen Glieder etwas gelenkiger werden u. seine ächt hofmännische Gewandtheit auch in seinen Körperbewegungen sich ausdrücke u. abspiegle. Wahrscheinlich gehst du bald einmal nach dem trauten Dörfchen, dessen Kirche du von deinem Landgute aus hinter Hügelreihen hervorschimmern siehst; dann vergiß nicht, meine Empfehlungen zu «vermelden». Oder vielleicht siehst du die Unaussprechliche gar Montags auf der Eunomia? – Ein ander Mal mehr. In wenigen Minuten geht die Post fort. Empfehle mich deinen verehrl. Eltern.

Sey gegrüßt von deinem treuen

J J Blumer.