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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Tschudi

AES B0136 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#507*

Johann Jakob Tschudi an Alfred Escher, s.l., Donnerstag, 20. April 1837

Schlagwörter: Freundschaften, Turnen und Sport, Turnfeste

Briefe

Ich will keinen Augenblik zögern, mein Freund, Dir auf deinen heute erhaltenen Brief zu antworten, da er einen Gegenstand enthält, der mich nicht ruhen läßt bis eine offne Erklärung zeigt, wie sehr du durch frühzeitigen Verdacht verleitet, mir Unrecht gethan hast. Mein Bruder schrieb mir unterm 8ten März folgendes was ich wörtlich aus seinem Briefe copiere: Wenn dein Freund Escher ans Turnfest kommt, so kann er bei mir logieren, sonst werde ich einen Quatiermeister in mein Logis nehmen. Darauf schrieb ich ihm zurük als P. S meines Briefes: Bis jezt weiß ich noch nicht mit Gewißheit ob Escher ans Turnfest kömmt, da er gegenwärtig unwohl ist, sicherer wäre es, wenn du den Quatiermeister für dein Logis nehmen würdest, da vielleicht E. bei Hr. von Meienburgs logieren muß. – Ob diese Worte, die nämlichen meines Briefes sind, kann ich nicht verbürgen, eines oder das andre mag anders gestellt gewesen sein, mit meinem Ehrenworte kann ich dich aber versichern, daß der Sinn derselben, durchaus der nämliche war. Bei der Anwesenheit meines Bruders in Zürich wurde dieses Gegenstandes durchaus keiner Erwähnung mehr gethan. –

Diese offne Erklärung genügt hoffentlich um deinen Verdacht von mir zu wälzen, wäre sie nicht hinreichend, so würde es mir sehr leid thun in dir den einzigen Freund den ich habe zu verlieren, denn daß da, wo gegenseitiges inniges Vertrauen aufhört keine Freundschaft mehr bestehen kann, weißt du nur zu wohl.

Du kennst meine Gesinnungen, und weißt, daß mir am Urtheil der Welt weniger gelegen war als manchem Andern, und daß diese Ansichten noch fester, in kurzer Zeit, bei mir gewurzelt haben kann ich Dich versichern. Die Leute um mich her, sogar die Meinigen, mögen mich betrachten, als was sie wollen, darum habe ich nicht viel gegeben, daß aber du mich als Verräther deiner Geheimniße, als treulos gegen Dich betrachtetest, daß schmerzt mich tief und innig. Dein heutiger Brief diente durchaus nicht meine sonst trübe Stimmung, die überdiß durch Briefe von andrer Seite nochmehr getrübt wurde, aufzuheitern und jezt befinde ich mich in einer solchen Faßung, wie ich früher nur selten kannte, ich muß daher schließen nochmals die Hoffnung äußernd daß obige Erklärung genüge.

Mit der Bitte mich deinen Eltern und Hr Heer bestens zu empfehlen grüßt Dich Dein

J J Tschudi

Au Sablon den 20ten 4. 37.