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Korrespondenz: Alfred Escher – Egbert Friedrich von Mülinen

AES B0119 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#360*

Egbert Friedrich von Mülinen an Alfred Escher, Bern, Dienstag, 15. Juli 1834

Schlagwörter: Reisen und Ausflüge

Briefe

Bern, Dienstags den 15ten Juli 1834.

Theuerster Freund!

Verzeih mir, daß ich dir deinen Brief, den ich glücklich in Bern erhalten, nicht früher beant wortet habe, allein wisse jetzt, warum ich einstweilen wartete. Ich mach' eine Reise, die ge gen 3 Wochen dauern wird, und die mich auch nach Zürich führt . Kaum war ich nämlich einige Zeit in Bern, als ich, bewogen durch die schwüle Luft allhier, den Gedanken faßte, in den Schweizerischen Bergen freiere Luft zu genießen. Ich theilte diesen meinen Gedanken meinem Vater mit, der ihn sehr billigte. Man hielt Nachfragen für Reise genossen, und es fand sich, daß Herr von Tavel (nicht der famose Radikale) mit seinem Sohne Albert (von 14–15 Jahren) eine große Reise vorhabe. Mein Vater bat ihn, ob er mich mitnehmen wolle, und willig entsprach H. v. Tav. meinem und meines Vaters Wunsche. Der 4te Reisegefährte ist mein Freund Ferdin. von Sinner. Unser 4, H. v. Tav., sein Sohn, Sinner und ich, werden uns nächsten Montag nach Thun in der Post be geben, von dort im Schiff nach Interlachen. Von dort geht die Reise über den Brienzersee nach Brienz, Meyringen, von da über das Gadmen Thal und den Sustenpaß nach Wasen im Kanton Uri; drauf geht's über die Teufelsbrücke und über den St Gotthardt. D'rauf nach Airolo, und Faido in's Tessinerland. Von Faido kutschiren wir nach Bellenz, und von da in die italiänischen Gefilde von Lokarno und Lugano (im Tessin). Dann eilen | wir nach Bellenz zurück; von da marschiren wir rechts durch das Misoxerthal nach dem Bernhardin hinüber, und wir sind in Bündten. Von da gehts über die engen Klüfte der via mala nach Thusis, Domletsch und Chur. Dann wenden wir uns nach Zizers und von da nach Pfäffers (Bad, Kloster), dann Wallenstadt, drauf über den See nach Wesen, von da, wie ich glaube, nach Einsiedeln, dann nach Rapperschweil und von da nach Zürich wenden! Von hier werden wir endlich in der Post nach Bern zurückkehren. Vielleicht wird uns mein Papa im Anfang der Reise bis nach Wasen in Uri begleiten. Dieß ist meine Reise, die sich nicht ändern könnte. Mit Schrecken ersehe ich nun aus deinem letzten Briefe, daß du die entgegengesetzte Reise vorhast, so daß wir uns beiderseits verfehlen könnten. Wenn du deinen Reisplan änderen kannst, so thue es um Gotteswillen, d. h. mache, daß du in den ersten Tagen Augusts (7, 8, 9) in Zürich seyest, weil ich dann dort seyn werde. Wie gerne hätte ich mich in deine Projekte gefügt, wenn es möglich gewesen wäre. Allein das nächste Jahr werde ich dann wohl eine gute Zeit in Zürich zubringen. Jetzt lebe wohl, theuerster Freund, mach' daß du in den ersten Tagen Augusts in Zürich seyest. Es grüßt dich so sowie deine Eltern, deine .... Schwester und Herrn Schweizer tausend- und tausendmal.

E. F. von Mülinen.

Uebermorgen gehe ich an einen Ball mit unseren Jungfern, den Jungf. Soph. Brunner geben wird.