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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0113 | ZBZ FA Escher vG 207.104

In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 6

Alfred Escher an Heinrich Schweizer, Belvoir (Enge, Zürich), Montag, 1. April 1833

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Krankheiten

Briefe

Belvoir.

April. 1. 1833.

Mein lieber Herr Schweizer!

Die liebe Clementine ist nun gestern confirmiert worden; Papa u. ich waren anwesend, der guten Mutter aber war es nicht vergönnt an dieser feyerlichen Handlung Antheil nehmen zu können, da bedeutende Heiserkeit und sonstiges Übelbefinden es ihr unmöglich gemacht hatten. – Abends 5 Uhr sollte die Confirmation in der Peterkirche Statt finden; zu diesem Ende hin hatte sich eine große Menge von Menschen versammelt, um diese jungen Christen, 27 an der Zahl, in ihre Mitte aufzunehmen; nachdem der 1te Vers des 257ten Liedes abgesungen und ein Gebeth gesprochen worden war, begann die Confirmationsrede, der kein Text zum Grunde lag. In der Einleitung zeigte Hr. Fäsy1 die große Wichtigkeit der Stunde u. gab dann seinen Confirmanden folgende drey Hauptregeln mit auf den Lebensweg 1.) Haltet fest am Glauben. 2.) Liebet immer die Wahrheit 3.) Wacht mit unausgesetzter Sorgfalt über die Reinheit des Herzens. In begeisterter, warmer u. ergreifender Stimmung trug Hr. Fäsy ihnen diese Rede vor, und nachdem sie alle mit einander das Gelübde gethan hatten wurde aus dem 10ten Liede der 1te u. 3te Vers gesungen; darauf gab Hr. Fäsy immer je zweyen, die vor ihn hin zum Taufsteine treten mußten einen Bibelspruch mit kurzer Anwendung in trefflicher Auswahl; darauf folgte wieder ein Gebeth u. am Ende wurde der letzte ([...?] 6te) Vers des 257ten Liedes abgesungen. – Tief gerührt u. sehr ergriffen verließ jeder das Gotteshaus; auch für Jüngere war diese Handlung eine sehr wichtige und belehrende, weil sie jeden ermunterte, so zu handeln, daß man einst reinen Herzens vor dem Herrn erscheinen und ihm ewige Treue geloben könne! – Clementine war sehr gerührt; möge Gott die guten Entschlüsse, die sie gewiß in diesem erhebenden Augenblicke gefaßt hat segnen und mit dem gewünschtesten Erfolge krönen! | Hr. Dr Rahn2 war gestern bey Mamma, um während jener wichtigen Stunde bey ihr zu seyn; eine verdankenswerthe Attention! –

Indem ich Ihnen für den heute empfangenen lieben Brief3 bestens danke u. Ihnen im Nahmen der Meinigen gute Gesundheit in dieser geschäftvollen Zeit wünsche

grüßt Sie mit Innigkeit

Ihr Alfred Escher

Kommentareinträge

1 Karl Wilhelm Fäsi (1793–1852), Diakon an St. Peter in Zürich.

2Vermutlich Hans Konrad Rahn-Escher (1802–1881), Arzt in Zürich.

3Brief nicht ermittelt.