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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0101 | ZBZ FA Escher vG 207.104

In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 2 | Jung, Aufbruch, S. 51–52 (auszugsweise)

Alfred Escher an Heinrich Schweizer, s.l., Freitag, 16. September [ 1831 ?]

Schlagwörter: Grosser Stadtrat Zürich, Haus und Garten (Bewirtschaftung), Privatunterricht, Wahlen

Briefe

Den 16ten September1

Ich erhielt Ihren lieben Brief2, theuerster Lehrer, diesen Morgen durch Cobus3 im Bleicherweg. Tausend Dank dafür! Sie werden also die folgende Woche am Montag kommen; und ich kann Sie versichern, wenn dieß nicht geschehen wäre, so hätte ich bald geglaubt, Sie hätten Ihren Alfred vergessen!

Wie viel Gewirre von Arbeitsleuten noch im Hause ist, können sie sich nicht denken. 5 Schreinergesellen, welche die Meubeln polieren und Böden verputzen, 3 Maurer, welche die Lauben abreiben, denn durch die Öhlfarben und durch den Leim sind sie ganz befleckt worden; 2 Abreiberinnen haben noch ein gutes Stück Arbeit. – Das Küchengeschirr kann noch nicht auf die Gestelle geräumt werden, und muß indessen auf den Boden gelegt werden. Kurz, wir leben in einem Chaos! Sie können wohl begreifen, wie dieses Alles Mamma's Gesundheit angreift; sie ist im eigentlichen Sinne nur campirt; denn sie konnte in Ihr Zimmer auch nicht Ein Stück einräumen, und muß alle ihre nothwendigen Sachen noch im Reiskorbe aufbewahren! – Ich bin eben am Auspacken meiner Bücher! – Noch ist keine Magd gefunden! –

Herr Oberst Rahn4, Sohn des Herrn Regierungsrath5 (?) (Alt-Rathsherr) (!) ist gestern Nachmittag unter Andern auch zum Stadtrathe erwählt worden.

Papa & Mamma wollen durchaus nicht, daß Sie zu Fuß je nach Belvoir | kommen; unser Charabant6 wird also Montag Morgens nach Bubikon kommen und

den Sie freundlichst grüßenden Lieben in
Belvoir und Ihrem Ihre Ankunft mit Begirde
erwartenden

Alfred

einen treuen Freund bringen.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «16, IX, 31» .

1Datierung gemäss Briefkontext.

2Brief nicht ermittelt.

3Person nicht ermittelt.

4Eduard Rahn (1801–1851), Zürcher Stadtrat.

5 Salomon Rahn (1766–1836), Grossrat und Regierungsrat (ZH).

6Gemeint ist wohl ein Char-à-bancs: ein leichter, offener Wagen mit meist in Längsrichtung angebrachten Bänken.