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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0097 | ZBZ FA Escher vG 207.104

In: Jung, Aufbruch, S. 62

Alfred Escher an Heinrich Schweizer, Zürich, Samstag / Montag, 9. / 11. Juli 1831

Schlagwörter: Feiern und Anlässe, Freundschaften

Zürich 9 Juli 1831

Liebster, bester Lehrer!

Theuerster Freund!

Wie freue ich mich, bald für lange zu Ihnen kommen zu können; denn Donner- stags gehen meine Ferien an, die vier Wochen dauern werden. Ob ich Donnerstags bey Ihnen bleiben werde, oder nicht, ist ungewiß. Ihre Hausmutter in Zürich schlägt Ihnen für diese zahlreiche Gesellschaft folgenden Küchenzettel vor: 1. Erbsensuppe. 2. Gesottenes Rindfleisch. 3. Gesottene Erdäpfel oder Erdäpfel in der Mundur mit einem Stock Butter. 4. Eine wohlgenährte (!) Hamme mit Salat, (für welchen wir sorgen werden). 5. Verbratene Kugeln oder sollte Töde diese Fabrication nicht verste- hen, ein anderes in ihre Wissenschaft einschlagendes Küchlein. Anmerkung für den Leser: Sollten noch beschnittene Aepfelstücklein vorräthig seyn, so könnten davon als zweytes Gemüse gegeben werden. Zum Abendessen würde man von Zürich aus für Eier- zöpfchen sorgen. Dem umsicht⌜ig⌝en Hausvater braucht es nicht erst gesagt zu werden, daß er in dieser Hinsicht die nöthigen Vorkehrungen treffe, ehe er das Haus verlasse, damit die bedächtliche Dienerinn während seiner Abwesenheit Alles zu di⌜e⌝sem Empfang vorbereiten können, denn wir zählen ganz bestimmt auf Sie für den Heinrichstag. Papa's Husten verliert sich; Mamma geht es im Ganzen immer gleich, ausgenommen, daß sich seit gestern die Geschwulscht zertheilte.

Wahrscheinlich werde ich Montags diesem Brife noch etwas beyfügen.

Indessen umarmt Sie recht herzlich Ihr

Alfred |

11ter Juli

Diesen Morgen früh, mein Theuerster, erhielt ich Ihren lieben Brief, für den ich Ihnen tausend Mahl danke. Sehr freute es mich, daß Sie zwey Tage in Zürich, in Ihrer so freund- lichen Heimath, verweilen werden. Ich sage «zwey Tage»; denn natürlich einem solchen Anlaße weicht eine Turnfahrt, die dann auf ein ander Mahl verschoben werden kann, daß Sie aber zu Stande kommen werde, hoffe ich doch! Johann wird unfehlbar morgen Sie abhohlen und wird uns einen lieben, guten Mann bringen, der uns so ganz angehört, und von dem wir auch nicht einen Punkt den Bubikonern abtreten!! Ja!! wahrlich!! Mamma ist heute den ganzen Morgen angegriffen und es ist I ⌜i⌝hr ziemlich übel.

In der freudigsten Erwartung einen mir ⌜und⌝ uns Allen so theuern Mann bald in unserer Mitte zu sehen, schickt Ihnen die herzlichsten Grüße von seinen und Ihren Lieben und umarmt Sie Ihr mit ganzer Seh ⌜e⌝le an Ihnen hängende

Alfred