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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Schweizer

AES B0096 | ZBZ FA Escher vG 207.104

Alfred Escher an Heinrich Schweizer, Zürich, Freitag, 8. Juli 1831

Schlagwörter: Krankheiten, Reisen und Ausflüge

Briefe

Zürich den 8 Juli 1831.

Guter, theuerster Lehrer!

Tausend, tausend Dank für Ihren lieben, freundlichen Brief. Ihren Auftrag in Hinsicht des Bohrers werde ich aufs Beste bestellen. Wir theilen Ihr Bedauern, die gute Mamma und ich, uns diese Woche nicht in Bubikon gesehen zu haben; Sie erhalten mitkommend ein Stück Rostbeef, das die liebe Mutter Ihnen so gerne selbst überbracht hätte; so wie auch den Vinaigre des quatre voleurs, der Ihnen vielleicht nöthig ist; hängen Sie an denselben die Etiquette, die an dem Strohfläschchen war. Die übrigen besprochenen Gegenstände hofft Sie Ihnen nach Ihrem Wunsche selbst nach Bub. bringen zu können. Bis dahin hoffen wir, Sie im Neuberg zu sehen; Papa läßt Ihnen daher folgende Propositionen machen, Ihnen entweder die Chaise Dienstags Nachmittag nach Grüningen zu schicken, damit Sie Dienstag Abends in Zürich eintreffen, welches sehr freundlich wäre, oder, das Gefährt Dienstag Abends nach Bubikon zu schicken, damit Sie Mitwoch Morgen früh nach Zürich kommen können. Herr Schweizer hat d. Plan, Donnerstags mit d. Turnern, die im Winter im Neuberg waren (H. Pestaluz wahrscheinlich ausgenommen) bey schönem Wetter nach Bubikon zu kommen. Wäre dieß Ihnen nicht recht, so bitte ich Sie es mir zu melden. Wie freut es mich, Sie bald wieder sehen zu können!!

Die Familie Hayes verreis'te gestern Morgen nach Pfeffers. Die letzten Worte Jungfer Eliza's waren: «Adieu, mein l. Alfred, vergiß' nicht, mir den guten Herrn Schweizer zu grüßen.» Es that ihr sehr leid, von Mamma Abschied zu nehmen da es ungewiß ist, ob sie von Pfäffers wieder über Zürich zurück kehren werden, und sie später gedenken, nach England zu reisen, um sich dort auf eine unbestimmte Zeit aufzuhalten. . Die arme Mamma, die immer noch an der Nase ziemlich geschwollen ist (diese Geschwulst hielt Herr Doctor für einen Anflug der Überröthe) hatte Dienstags Nachmitags Sie mußte deßwegen schon beym Gemüse das Mittagessen verlassen und sich in ihr Zimmer zurückziehen, wo sie vermittelst warmer Tücher und Thee's ihre Schmerzen zu lindern suchte. ) und Abend bis ½ 5 Uhr sehr heftige Unterleibsschmerzen. Dessen | ungeachtete begleitete sie d. Familie Hayes des Abends ins Landgut, wo sich ihre Schmerzen so ziemlich verloren. Seither ist sie mehr oder minder angegriffen und muß immer noch mediciniren. Der gute Papa hat wahrscheinlich in Folge einer Erkältung im Landgute einen ziemlich starken Husten.

Die freundlichsten Grüße von den Lieben im Neuberg, von meinen lieben Lehrern und von Ihrem
Sie umarmenden

Alfred.

Mamma läßt Ihnen sagen, daß sie Ihren Auftrag wegen d. Gemüsesamens nicht vergessen, die verschiedenen Sorten aber noch nicht beysammen habe, ihn aber hoffentlich bis künftigen Mitwoch erhalten werde. Sie freut sich recht inniglich, den Heinrichs-Tag mit Ihnen zuzubringen, es scheint ihr auch gar so lange seitdem sie Sie gesehen.