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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Gustav Stocker

AES B0083 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#476*

Johann Gustav Stocker an Alfred Escher, s.l., 5. April

Schlagwörter: Parteienstreitigkeiten, Presse (allgemein)

Briefe

Kornamt 5 April 9 Uhr Vor.

Mein hochverehrter Freund!

Habe ich dich auf den Artikel der Débats auf merksam gemacht, so muß ich nun auch noch berichten, daß in der gestern aufgelegten Débats-Nummer (Museum) eine Erwiederung von Dr. Kern eingerückt ist, die ganz vorzüglich gelungen ist & ihm alle Ehre macht. Der Secrétaire de la rédaction Camus replizirt sogleich & scheint mir nur theil weise Recht zu behalten. Jedenfalls sind beide Artikel Muster vernünftiger & in die Gründe ein gehender Polemik. Ich wollte, du fändest Zeit sie zu lesen. Du darfst nur den Wunsch aussprechen, so schicke ich dir die Nummer in's Haus auf meinen Namen. Es ist kein gar gutes Zeichen, daß unsere Journalistik solche Sachen nicht sieht, nicht lies`t, nicht verarbeitet. Nur der Bund ist anfänglich auf die historische Grundlage eingetreten, aber abschreckend, einseitig, phrasendünkelhaft. Gonzenbach hat gegen Bund Recht, aber dänn hät'ses! Eben habe ich deinen Bericht im «Bund» gelesen & habe mich herzlich gefreut über die ächt staatsmännisch objektive Behandlung & die schöne, klare Form. Auch habe ich verstanden zwischen den Zeilen | zu lesen. Die « Eidg. » schwatzt heute ein wenig aus der Schule; Stämpfli habe à la Neuhaus Erklärungen verweigert. –

Nun aber gälte es, nach meiner Ansicht, allmälig das Publikum ein wenig aufzuklären & das Treiben der Helvetia – Stämpfli = Tendenz aufzudecken; sonst wird es zu spät. Unser östliches Publikum ist vernünftig, nicht heißspornig, aber es weiß zu wenig & die jüngern Leute lassen sich leicht hinreißen. Die N. Z. Zeitung muß anfangen, den Schleier zu lüften & die Fahne höher zu halten.

Verzeih` dem Schwätzer, bei dem auch in der Politik die Freundschaft zu dir die beste Fahne ist.

Dein dankbarer

Stocker

Kontexte

  • 5. April