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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B0079 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#71*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 384

Josef Zingg an Alfred Escher, s.l., Mittwoch, [20. November 1878?]

Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Presse (allgemein)

Briefe

Gotthardbahn.
DIRECTION.

Hochverehrter Herr Präsident!

Der Landbote1 in Winterthur hat meine Erklärung, welche ich ihm in Folge Ihres Telegramms2 schon Samstags zugehen ließ, endlich in der heutigen Nummer3 gebracht, aber nur verstümmelt. Sie lautete wie die Beilagen.4 Eine Erklärung, welche ihm Hr. Gerlich5 zu seiner Vertheidigung einsandte, wurde gar nicht aufgenommen, weil er darin einen «Pfeil auf Hellwag » abschießen wolle & der Landbote im Zweifelsfalle für den | Unterdrükten (Hellwag) Parthei nehme.

Mit dem Ausdruke vorzüglicher Hochachtung verbleibe

Ihr freundschaftlich ergebener

J. Zingg.

Hr. Feer ist leider noch immer durch ein Unwohlsein in Paris zurükgehalten, hofft nun aber doch endlich dieser Tage verreisen zu können.6

Kommentareinträge

Datierung gemäss Briefkontext.

1Am Freitag, 15. November 1878, erschien im Landboten ein Artikel, der Konrad Wilhelm Hellwag gegen die «speziellen Organe der Gotthardbaronie » und den «Autokraten Dr. A. Escher» in Schutz nimmt. In einem Nebensatz wird die Behauptung aufgestellt, Escher leite die Gotthardbahn-Gesellschaft de facto noch immer: «Das heißt die tüchtigen und selbstständigen Elemente schiebt man zur Seite und läßt die Dinge von solchen machen, welche von Herrn Escher sich um den Finger wickeln lassen, der ja auch nach seinem Austritt aus den Gesellschaftsbehörden thatsächlich die Direktion weiter führt.» Der Landbote, 15. November 1878.

2Telegramm nicht ermittelt.

3 Vgl. Der Landbote, 20. November 1878.

4Dem Brief beigelegt ist eine Abschrift der Einsendung Zinggs an den «Landboten». Darin widerspricht er der Behauptung über Eschers verdeckte Leitung der Gotthardbahn-Gesellschaft und merkt zugleich an, dass eine Beratung der Gotthardbahn-Gesellschaft durch Escher der Sache zum Vorteil gereichen würde. «Seit dem Rücktritte des Hrn. Escher aus der Verwaltung der GB. hat zwischen ihm & der Direktion der GB., beziehungsweise auch dem Unterzeichneten, kein die Geschäfte der Gotthardbahnverwaltg. betreffender Verkehr stattgefunden, als daß Hrn. Escher auf den Wunsch des Präsidenten des Verwaltungsrathes die Antwort des Hrn. Hellwag auf die Beschwerde der Direktion mitgetheilt worden ist, um sich über die speciell gegen seine Person gerichteten verletzenden Anschuldigungen Hellwags zu äußern.» Brief Josef Zingg an den «Landboten», 16. November 1878 (BAR J I.67-6.71). – Der diesbezügliche Artikel im «Landboten» gibt die beiden Hauptpunkte im Brief Zinggs – Eschers Stellung und Verweis auf das Ergebnis der gerichtlichen Untersuchungen in der Causa Hellwag – nur in indirekter Rede wieder. Vgl. Der Landbote, 20. November 1878.

5 Eduard Gerlich (1836–1904), Adjunkt des Oberingenieurs der Gotthardbahn-Gesellschaft.

6 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 22. November 1878.