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Korrespondenz: Alfred Escher – Rudolf Stehli-Hausheer

AES B0064 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#468*

Rudolf Stehli-Hausheer an Alfred Escher, s.l., s.d.

Schlagwörter: Nationalrat, Wahlen

Briefe

R. Stehli-Hausheer
A LUNNERN
(ZURIC)

Mein hochgeachteter Herr & Freund!

Ihre geehrte Zuschrift von gestern, welche mit einem so eben von Herrn B.R. Dubs erhaltenen Briefe in Einklang steht, versezt mich offen gestanden in eine peinliche Lage. Es fällt mir sehr schwer die wohlwollenden Wünsche von so hochgeschätzter Seite unberücksichtigt zu lassen & auf der andern Seite habe ich verschiedene persönliche Gründe, welche mich bestimmen die Candidatur abzulehnen. Auch will mir scheinen ich würde bei Annahme derselben dann doch mit mir selbst etwas in Widerspruch gerathen, weil ich früher nicht blos mit Rücksicht auf Herrn Director Stoll abgelehnt, sondern zugleich die bestimmte Erklärung beigefügt habe, daß ich eine Wahl in den Nationalrath nicht annehmen könnte.

Sodann muß ich in der That bezweifeln, daß meine Candidatur den in Aussicht gestellten Anklang fände| & glaube ich was den Bezirk Affoltern anbelangt die Versicherung geben zu können, daß Herr Director Stoll daselbst unzweifelhaft eben so viele Stimmen machen würde, wie der Unterzeichnete. Jedenfalls irren Sie sich, wenn Sie im Bezirke Affoltern auf fast einmüthige Unterstützung meiner Candidatur zählen, indem die antigouvernementalen Bestrebungen auch in unser'm Bezirke ihre Vertretter haben, welche mit Rücksicht auf die Vorgänge bezüglich der letzten Nationalrathswahl nicht gut auf mich zu sprechen sind.

Am See würden bezüglich meiner Candidatur ähnliche Einwendungen zur Geltung kommen wie gegenüber Herrn Director Stoll, während der Letztere im Bezirke Zürich für die Ersatzwahl nunmehr offenbar mehr Chance hätte, als die neue Candidatur des Unterzeichneten.

Ich glaube daher es sei nicht rathsam die Candi datur des Herrn Dir: Stoll, welche bereits eine so erheb liche Stimmenzahl auf sich vereinigt hat, mit einer neuen & am allerwenigsten mit derjenigen des Unterzeichneten zu vertauschen,| besonders da mir viele Eigenschaften eines für den ersten eidsgen: Wahlkreis würdigen & vollkommen tüchtigen Vertretters abgehen.

Ich bitte Sie daher angelegentlich alle diese Umstände nochmals reiflich erwägen zu wollen & ich zweifle nicht Sie werden selbst finden, daß es abgesehen von meinen persöhnlichen Wünschen, auch im Interesse der Sache selbst liegt von meiner Person abzusehen.

Es soll mich sehr freuen, wenn Sie & Ihre verehrten Freunde sich ebenfalls davon überzeugen & leisten Sie mir durch gefl. Geltendmachung Ihres Einflusses in diesem Sinne einen wirklichen Gefallen; nichts desto weniger gebe ich Ihnen schließlich die Erklärung, daß ich mich dem Ende einer allfälligen Wahl unterziehen würde.

Genehmigen Sie, meine Hochgeachteter Herr! bei diesem Anlaße die erneuerte Versicherung meiner besondern Hochachtung & Ergebenheit.

R Stehli-Hausheer

Kontexte

  • s.d.