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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Rüttimann

AES B0058 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#422*

In: Jung, Aufbruch, S. 824 (auszugsweise)

Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, s.l., s.d.

Schlagwörter: Bankinstitute, Bankwesen (allgemein), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Lieber Freund.

Die Frage, auf welche sich Deine Zeilen von gestern beziehen, hat gegenwärtig kaum eine irgend erhebliche Bedeu tung. Die 2000 Stück, die zuletzt allein noch zu 360 fcs fest angebothen waren, hat H. Huber im Einver ständnisse mit H. Ris & mir schon am Sonntag acceptirt. Ich muß noch mehr sagen: Ich habe H. Huber eigentlich be stürmt, die Acceptation nach Leipzig zu telegraphiren, weil ich jeden Augenblick einen Widerruf der Proposition er wartete. Was die übrigen 4000 Stück betrifft, so ist aller dings am Dienstag beschlossen worden, dieselben zu überneh men (Hagenbuch, Rieter, Ris & ich mündlich; Hirzel & Knörr schriftlich; Fischer wäre natürlich ebenfalls dafür ge wesen, befand sich aber nicht bei Hause). Die Leipziger geben sie aber | gewiß nicht her, & wir waren alle der Meinung, man solle sie nicht weiter drängen, während H. Huber durchaus sie bei ihrem ursprünglichen Anerbiethen behaften wollte. Wir können nun ja die Sache so darstellen, daß wir aus Rücksicht auf die freundlichen Beziehungen zu der Leipziger Anstalt sie ihres Wortes entbinden.

Die Kreditanstaltaktien werden gegenwärtig zu 430 umsonst gesucht (schon am Sonntag verlangte Ris 420). Wenn wir also in Folge einer ganz besondern Conjunctur 6000 Stück zu 360 bekommen könnten, so wäre dieß ein brillantes Geschäft, das man gewiß sehr leicht rechtfertigen könnte. Hätte man es abge schlossen, so wäre ich dann entschieden der Meinung, das Portefeuille von all dem Mist (Elisab. Westbahn, deutsche Aktien etc.), der sich darin angesammelt hat, gründlich zu reinigen. Du kannst aber | sicher darauf zählen, daß die Leipziger uns nicht einmahl mehr die 2000 Stück geben würden, wenn sie frei wären, & daß sie uns gewiß kein Stück mehr ablassen. Wenn der Verwaltungsrath jene 2000 Stück morgens en bloc veräußern wollte, so könnte er dieß mit ei ner schönen Provision ohne alle Schwierigkeit ausführen.

Ich bin von Herzen froh, daß wir so glücklich der Verlegenheit entronnen sind, in die wir – ohne es zu wissen – hinein gerathen wa ren. Ich halte es nun für unsere Hauptaufgabe, unsere Position in diesem Momente der Ruhe zu vereinfachen & zu verstär ken. Gegen das Spiel an der Börse habe ich nun einen gründ lichen Widerwillen. Es ist nur zu leicht möglich, daß Kriege & Revolutionen uns früher als man meinen sollte in neue Stürme hinein werfen. Für solche Eventu alitäten muß man nothwendig gerüstet sein.

Die hiesigen Kursblätter werden | scandalos redigirt. Ich habe deßhalb eine Einsendung in die N.Z.Z. einrücken lassen. Nordostbahn werden immer 405 G. & Kreditan stalt 375 oder 380 notirt, während die Fabrikanten dieser Kurszeddel gerne zu 30 & mehr Franken höher kaufen würden, wenn sie könnten.

Freue Dich der herrlichen Lauben & Alleen Berns. Wer hier über die Straße gehen muß, hat ein schauer liches Schweißbad zu nehmen.

Mit herzlichem Gruße

ganz der Deinige

J Rüttimann

Vielen Dank für das Friedens telegramm. Von Paris war der Kreditanstalt die Nachricht auch rechtzeitig zugekommen, hingegen eine Depêche aus Wien hat mehr als 2 Tage gebraucht, um den Weg nach Zürich zurück zu legen.