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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Rüttimann

AES B0055 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#422*

Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, s.l., [1872?]

Schlagwörter: Grosser Stadtrat Zürich, Personelle Angelegenheiten, Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt

Briefe

Mein lieber Freund

Mit großem Vergnügen habe ich von Zeit zu Zeit sehr befriedigende Mittheilungen über Dein Befinden vernommen & freue mich darauf, Dich (hoffentlich im besten Wohlsein) bald persönlich begrüßen zu können.

Herren Schweizer übergebe ich zu Deinen Handen ein von Direktor Widmer an die Kreditanstalt gerichtetes Schreiben, welches Du bei Deiner Rückkehr vorfinden wirst. Vorläufig will ich Dir aber zu Deiner besseren Orientirung einige Mittheilungen über die fragliche Angelegenheit machen.

H. Widmer hat schon vor längerer Zeit mich auf die Nothwendigkeit, einen Hypothekenverwalter für die Rentenanstalt zu bestellen, aufmerksam gemacht & wir haben uns über die für diese Stellung geeigneten Personen berathen. Es war von Regierungs-Sekretair Krauer, von Zivil- |Sekretair Steinbrüchel & Andern die Rede. Zufällig zeigte es sich nun, daß Hagenbuch entschlossen ist, aus dem Stadtrathe auszutreten & daß er für die Rentenanstalt gewonnen werden könnte. Widmer wünscht, diese günstige Gelegenheit zu benutzen, findet aber, daß es nicht gut angehe, Hagenbuch in eine ganz untergeordnete Stellung einrücken zu lassen & ist deßhalb auf den Gedanken gekommen, ihm die Funktionen eines Vizepräsidenten, mit denen aber die Hypothekenverwaltung verbunden wäre, anzubieten. Zunächst wäre allerdings virtuell die letztere Thätigkeit die überwiegende; aber nach & nach würde Hagenbuch sich in die Direktionsgeschäfte hineinarbeiten & bei Abwesenheit oder sonstiger Verhinderung des Direktors gute Dienste leisten.

Hagenbuch würde sich mit 4000 fcs begnügen. Wir glauben aber, es gehe wegen des Verhältnisses zu den Hilfsbeamten & zu Hubacher nicht an, ihm weniger als 5000 fcs aus zu setzen. |

Ich meinerseits bin sehr erfreut, eine so tüchtige Kraft für die Anstalt zu gewinnen. Bei der Ausdehnung der Geschäfte ist die Ausgabe von 5000 fcs leicht zu verschmerzen. Bei allen Wechselfällen, die gedenkbar sind, ist es äußerst beruhigend, einen Mann, wie Hagenbuch, der an Pünktlichkeit & Gewissenhaftigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, auf dem Bureau zu wissen.

Ich zweifle nicht daran, daß Du mit meiner Anschauung einverstanden sein wirst, in welchem Falle einer baldigen Erledigung der Sache durch die Kreditanstalt wohl kein Hinderniß im Wege steht.

Mit den besten Wünschen für einen guten Erfolg Deiner Kur & mit freundlichem Gruße

verbleibe ich

von Herzen Dein

J. R.

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