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Korrespondenz: Alfred Escher – Maximilian Heinrich von Roeder

AES B0051 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#412*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 194

Maximilian Heinrich von Roeder an Alfred Escher, s.l., [Juli 1875 ?]

Schlagwörter: Bundesrat, Demissionen, Eisenbahnbau (soziale Frage), Gotthardbahnprojekt, Tunnelbau

Briefe

So hoffe ich, mein verehrter lieber Freund, die Allarmglocke genügend geläutet zu haben ohne dasz Jemand ahndet auf wessen Veranlaszung. – Es wäre bereits früher geschehen, wenn ich nicht mündlich schon die Aufmerksamkeit des durchreisenden Minister v. Bülow1 auf diesen Gegenstand gelenkt hätte.

Herrn G's2 Benehmen habe ich Herrn W.3 in drastischen Zügen geschildert und bemerkt, man sagte er solle mit der ungeheuerlichen Idee umgehen, der Reichsregierung die Tactlosigkeit dem Bundesrath gegenüber zumuthen zu wollen, ihn zur Inspection der Gotthardbauten nach der Schweiz schicken4, einer unmöglich scheinenden Möglichkeit gegenüber für deren Abwehr man sich bereit halten möge. –

So hoffe ich Ihrem Sinn u Geist entsprochen zu haben – die Strike der Tunnelarbeiter5 macht mich besorgt; muthmaszlich steckt dahinter eine kolossale Niederträchtigkeit – die Falschheit herrschet die Hinterlist, bei dem feigen Menschengeschlechte!6 Drum wende ich mich von dieser ab und dem klaren offenen Auge des lieben Schloszfräuleins7 mit herzlichem Grusze zu sowie Freund Erhardt8.

Von Herzen der

Ihrige

Roeder

Kommentareinträge

Datierung gemäss Briefkontext.

1 Bernhard Ernst von Bülow (1815–1879), Staatssekretär des Auswärtigen Amts des Deutschen Reichs.

2Gemeint ist vermutlich Robert Gerwig, dessen Gesuch um Entlassung von der Stelle eines Oberingenieurs der Gotthardbahn-Gesellschaft vom Verwaltungsrat der Gotthardbahn-Gesellschaft im April 1875 genehmigt worden war. Vgl. Prot. VR GB, 7. April 1875 (S. 73–74); Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Oberingenieur Hellwags Kostenvoranschlag vom Frühjahr 1876.

3Gemeint ist vermutlich Emil Welti.

4Delegierter des Deutschen Reichs bei der Tunnelverifikation des Jahres 1875 war Albert Kinel (1825–1911), Geheimer Oberregierungsrat im Reichskanzleramt des Deutschen Reichs. Vgl. Prot. BR, 11. Oktober 1875; Emil Welti an Alfred Escher, 4. April 1877, Fussnote 4.

5Gemeint ist vermutlich der Streik der Tunnelarbeiter in Göschenen am 27. und 28. Juli 1875. Hans Weber an Alfred Escher, [Juli 1875 ?].

6 Schiller Friedrich, Reiterlied. Vgl. Projekt Gutenberg online.

7Gemeint ist Lydia Escher (1858–1891), Tochter von Augusta und Alfred Escher.

8 Friedrich Gustav Ehrhardt (1812–1896), Oberst im eidg. Justizstab; Hausfreund der Familie Escher und enger Vertrauter Alfred Eschers, war für ihn verschiedentlich als Anwalt in Privat- wie in NOB-Angelegenheiten tätig.