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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Friedrich Peyer im Hof

AES B0046 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#391*

In: Jung, Aufbruch, S. 861 (auszugsweise)

Johann Friedrich Peyer im Hof an Alfred Escher, s.l., [ 1851 ?]

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Eidgenössische Universität (Projekt), Eisenbahngesetze, Kommissionen (eidgenössische), Konflikte mit Drittstaaten, Zollwesen

Briefe

Mein lieber Freund!

Deinen wirklich ausgezeichnet schön geschriebenen liebenBf. vom 24. v. Mts. habe ich hier richtig erhalten und danke dir vor allen Dingen dafür, daß du den Zusammentritt der Eisenbahn-Komission etwas verschoben hast. Auch ganz abgesehen von meiner Person konnte es nicht anders sein, denn die Vorarbeiten des Eisenbahn-Büreau's sind auch jetzt noch nicht vollständig ausgeführt. Einige Materialien habe ich vorgestern hier erhalten und werde sie benutzen, auch habe ich den Bericht, soweit ich es konnte, ausgearbeitet; zum Weitergehen aber fehlen mir noch einige Berechnungen, die ich nun wohl bei meinem Eintreffen in Bern fertig vorfinden werde. – Daß der Gesetzes-Entwurf für | das Partial-System von Kern ausgearbeitet wird, vernehme ich insoweit ungerne, als ich der Hoffnung einer Vereinigung Raum gegeben hatte und als es mir namentlich leid thut, daß wir auch in dieser Frage uns gegenüber stehen sollen.

Unsere hießigen Verhandlungen sind äußerst ermüdend und nichts weniger als angenehm. Heute soll es zu einem Abschluß kommen, es fehlt nur noch der Punkt auf's I; – vielleicht fällt auch die ganze Geschichte wieder auseinander. Wir sind soweit als es unsere Stellung nur immer erlaubte, gegangen, um eine Verständigung zu erzielen, weil wir beide die unmittelbaren & mittelbaren Folgen, die aus einem sogenannten Zollkriege entstehen würden, zu vermeiden wünschen. Heute Morgen findet die entscheidende Konferenz-Sitzung Statt, in der sich die Zollvereins Abgeordneten darüber zu erklären haben, ob uns freie Getreide Ausfuhr unbedingt & vertragsmäßig | zugesichert werden will oder nicht.

Ich werde Karlsruhe so schnell als möglich verlaßen, in Schaffhausen meine Angelegenheiten ordnen & dann in der Bundesstadt eintreffen; freilich etwas verspätet, immerhin aber noch früh genug.

Hast du auch schon darüber nachgedacht, welcher Frage, der Eisenbahnfrage oder der Universitätsfrage die Priorität gebührt. Es ist dieß nicht unwichtig, denn wird der Grundsatz der Betheiligung des Bundes an der Erstellung von Eisenbahnen statuirt, so sind seine disponibeln Mittel gebunden, wird umgekehrt die Hochschule dekretirt, so bleiben uns keine verfügbaren Vorschüße für die Eisenbahnen.

Und nun lebe wohl, Bertram befindet sich wohl und lebt höchst tugendsam. Gestern Abend ist er nach Baden, denn ach das Gold ist nur Chimäre, – er wird aber mit dem in wenigen Minuten ankommenden Zuge wieder hier eintreffen, Robert ist hier geblieben, da er obige Melodie nicht zu singen versteht. – |

Also auf Wiedersehen

Dein

Peyer im Hof

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Datierung gemäss Briefkontext.

Kontexte

  • [ 1851 ?]