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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Karl Kappeler

AES B0037 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#300*

Johann Karl Kappeler an Alfred Escher, s.l., s.d.

Schlagwörter: Eidgenössischer Schulrat, Eidgenössisches Polytechnikum, Entomologie, Grosser Stadtrat Zürich, Regierungsrat ZH

Briefe

Mein Freund!

Ich werde warscheinlich künftigen Monntag für circa 3 Wochen nach Paris & in die welsche Schweiz verreisen, wenn innzwischen etwas von Bedeutung vorfiele das Eile hat wird man sich an Dich wenden, sofern die Korrespondenz nicht ausreicht. Der Vertrag mit dem Staat über Sammlungen & Mobiliar seit circa 2 Monaten abermals mit voller Zustimmung der Abgeordneten der Regierung abgeschlossen, stieß bei der Leztern, dank den einsichtigen & tiefen Gesichtspunkten des Hr Hagenbuch auf neue Schwierigkeiten. Ich habe ganz kalt & einläßlich geantwortet, obgleich man doch bald über allen diesen Kleinlichkeiten die Geduld verlieren könnte. Die Einwendungen sind für Zürich selbst auch nicht ein Rappen werth. Wenn es Dich interessirt kannst Du | den Schriftenwechsel einsehen. Ich höre, auch beim Stadtrath finde der von den Abgeordneten vollständig gebilligte Entwurf Anstand, man wundere sich, daß die Stadt 1000 Fr per Jahr bezahlen soll. Allein nach § 40 des Gesetzes ist die Stadt verpflichtet alle ihre Sammlungen, unentgeldlich zu unserer freien Benuzung stetsfort zur Disposition zu halten. Ordnung Abwart namentlich Mobiliaranschaffung & Unterhaltung für städtisches Eigenthum wäre nicht unsere Sache. auch für Localitäten müßte eigentlich die Stadt sorgen. Bei der Translocation wird für sehr Vieles auch neues Mobiliar nöthig werden. Der Vertrag übernimmt nun Alles dieß auf Rechnung der Eidgenossenschaft. Die Stadt ist ganz & gar frei & ledig. Für die Bremischen entomologisch. Sammlungen die schrecklich verwahrlost & in schlechtem Zustand| sind ist dieß überdieß keine unbedeutende Sache. Äuffnung & Unterhaltg geschieht natürlich mit circa 4fachem Geldaufwand von uns & ohne daß die Stadt die 1000 Fr bezalt, hätte sie halt der Staat übernehmen müssen. Die jährlichen Auslagen für diese Sammlungen (Mineralogie Geologie Entomologie) sind außer den 2500 Fr vom Staat, & außer den 1000–1200 Fr die die Stadt bis zum heutigen Tage immer contribuirt hat von uns per Jahr stark über 8000 Fr per Jahr für Ordnung & Äuffnung verwendet worden. In 5 Jahren ist soviel geschehen (mit den großen Summen aus den 140000 Fr ) soviel, als früher von Staat & Stadt in 25 Jahren. Ich glaube deßhalb daß gewiß alle Billigkeit für den Vertrag spricht, sonst müßten wir ja dann jedenfalls Pflicht der| Unterhaltung des Mobiliars & ganze oder theilweise Bezahlung eines Abwartes von der Stadt verlangen, was nach dem Gesez unser einfaches Recht ist. Auch hierüber sind Zwei Zuschriften an den Stadtrath. Ich schreibe Dir dieß damit, wenn die Sache im Stadtrath vorkömmt doch ein Mitglied die Sachverhältnisse kennt.

Der Staat Zürich hatte allerdings in einem Vertrag gegenüber der Stadt die Localitäten & die Aufsicht übernommen, aber die Eidgenossenschaft ist dazu ganz & gar nicht verpflichtet & die Stadt hat gegenüber der Eidgenossenschaft eben weiter gehende Pflichten. Aber auch unter der Zürcherschen Staatsverwaltung hat die Stadt immer über 1100 Fr noch per Jahr contribuirt.

Dein

C Kappeler

Hr Escher von der Linth kennt diese Verhältnisse genau.

Kontexte

  • s.d.